Berlin Falling Bild
Frank, r. (Ken Duken) und Andreas (Tom Wlaschiha) in einer Szene des Films "Berlin Falling". Bild © picture-alliance/dpa

Am 19. Dezember 2016 raste ein LKW auf dem Berliner Weihnachtsmarkt in eine Menschenmenge. In dieser Woche kommt nun ein Film in die Kinos, der sehr stark an diese Tragödie erinnert, jedoch vor dem Anschlag entstand. "Berlin Falling" ist die Geschichte eines Terroranschlags, bei dem nichts so ist wie es scheint. "Ein Entführungsthriller voller packender Momente", meint unser Kinochecker.

Worum geht es?

Frank war für die Bundeswehr in Afghanistan. Schwer traumatisiert hat er sein Leben als Elitesoldat nun hinter sich gelassen. In Brandenburg will er seine Existenz neu ordnen. Sein erster Schritt ist dabei der Kontakt zu seiner Tochter Lilly. Als Frank auf der Fahrt nach Berlin, wo er Lilly am Hauptbahnhof abholen soll, an einer Tankstelle hält, nimmt er einen Anhalter mit. Andreas, ein scheinbar harmloser Tramper. Diese gute Tat entpuppt sich schnell als verheerender Fehler mit fatalen Konsequenzen. "Berlin Falling" wird ein Roadtrip in die Hölle.

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Der Regisseur

Es ist der erste lange Spielfilm des Heidelbergers Ken Duken und er hat sich einen wirklich harten Stoff ausgesucht. Bundeswehreinsatz in Afghanistan, Islamisten auf Rachefeldzug und ein Rechtsradikaler, der aus diesem Szenario eine Propagandageschichte gegen Moslems machen will. Das besondere an dem Stoff ist seine Nähe zur Realität. Erst im Dezember letzten Jahres raste ein LKW in eine Menschenmenge auf einem Berliner Weihnachtsmarkt, Monate später hielt der Offenbacher Bundeswehrsoldat Franco A. die deutschen Medien in Atem, weil er es geschafft hatte, sich als syrischer Flüchtling zu registrieren, um unter verdeckter Identität einen Anschlag zu planen. "Berlin Falling" erzählt eine ähnliche Geschichte. Der Film entstand aber vor dem Skandal. Das macht das Drehbuch so aufregend und so brisant. Ken Duken ist ein rasanter Genrethriller gelungen. Da kommt so manch einer außer Atem.

Die Schauspieler

Ken Duken führte nicht nur Regie, sondern spielt auch die Hauptrolle des traumatisierten Ex-Soldaten Frank. Das macht er überzeugend. Auf der einen Seite ist er der fürsorgliche Vater, auf der anderen Seite ein knallhartes Rauhbein. Der Heidelberger hat zudem eine steile Karriere hinter sich, bekannt aus Filmen wie "Frau Müller mus weg" und "Conny und Co". Mit "Inglorious Bastars" von Quentin Tarantino machte Duken sogar einen kleinen Ausflug nach Hollywood, genauso wie Tom Wlaschiha übrigens, der die zweite Hauptrolle spielt. Wlaschiha ist international aus der US-Serie "Games of Thrones" bekannt. Als rechtsextremer Terrorist verkörpert er hier nun auf brillante Art einen verblendeten Fanatiker, der sich für überlegen und intelligent hält. Wlaschiha wirkt dabei so böse und so gestört, dass man es mit der Angst zu tun bekommt, nicht zuletzt auch angesichts der aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Sehenswert

Von Anfang an erzeugt "Berlin Falling" einen Sog, der einen bis zum Schluss nicht mehr loslässt. Nicht zuletzt dank der ominösen und düsteren Atmosphäre. Auffallend dabei ist die Kameraführung. Sie zeigt uns eine  Mischung aus Hollywood und Tatort. Am überzeugendsten und packendsten aber ist das gelungene Drehbuch. Denn auch nachdem sich der nette Anhalter als brutaler Fanatiker entpuppt, weiß man nie, wohin die Reise geht. Lange Strecken des Films spielen sich im Auto ab, und die klaustrophobische Stimmung nimmt einem den Atem. "Berlin Falling" ist ein Entführungsthriller voller packender Momente. Ein Road Trip zum Fingernägelkauen und tolles deutsches Genrekino.

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