Die Lebenden reparieren
Bild © picture-alliance/dpa

Die Zahl der Organspenden in Deutschland ist rückläufig. Organspende ist ein emotionales Thema - bei möglichen Spendern und ihren Angehörigen ebenso wie bei denen, die dringend auf ein Spender-Organ warten. In "Die Lebenden reparieren" geht es genau um diese dramatische Situation.

Worum geht es?

Der 16-jährige Simon fällt nach einem Autounfall ins Koma. Die Ärzte stellen einen Hirntod fest und schlagen den Eltern vor, Simons Körper für eine Organspende freizugeben. Eine schwerwiegende Entscheidung, besonders für Simons Mutter Marianne, denn sie muss sich schnell entscheiden, solange Simons Herz noch schlägt. In einer anderen Stadt lebt die sterbenskranke Musikerin Claire. Die 50-Jährige wartet auf ein Spenderherz. Auch für sie tickt die Uhr. Als sich Simons Mutter schließlich nach langem Ringen für eine Organspende entscheidet, wird es ein Lauf gegen die Zeit, denn das Herz muss Simon entnommen und Claire eingepflanzt werden.

Die Schauspieler

Emanuelle Seigner und Anne Dorval gehören zu den großen französisch-sprachigen Schauspielerinnen unserer Zeit. Emanuelle Seigner war schon in Roman Polanski Filmen "Venus im Pelz" und "Die neun Pforten" zu sehen. In "Die Lebenden reparieren" muss sie sich entscheiden, ob sie ihren im Koma liegenden Sohn für die Organspende freigibt. Anne Dorval ist im französisch-sprachigen Quebec ein Star und wurde durch die preisgekrönten Filme von Shooting-Star Xavier Dolan bekannt. Beide Frauen sind großartige Charakterdarstellerinnen und immer wieder in Avant Garde-Filmen zu sehen.

Die Regisseurin

Katell Quillévéré begann ihre Karriere als Regisseurin erst spät, aber ihre drei Spielfilme fanden schon international Beachtung. In "Die Lebenden reparieren", nach dem gleichnamigen Roman von Maylis de Kerangal, zeichnet Quillévéré den Weg eines Spenderherzens nach. In 24 Stunden begegnen wir allen Beteiligten, die unfreiwillig an dieser Kette des Lebens hängen. Vom Unfallopfer Simon, über den Arzt, die Chirurgen, die Eltern bis zur Empfängerin, Claire und ihren erwachsenen Söhnen. Quillévéré gelingt es dabei eigenständig, alle Beteiligten hintereinander in den Mittelpunkt zu stellen. Ihre Gefühle, ihre Sorgen, ihre Hoffnungen.

Sehenswert

Ein Film über eine Organspende klingt nicht gerade sexy, aber Regisseurin Katell Quillévéré macht aus der schnellen Abfolge aller handelnden Personen einen spannenden Thriller. Sie erspart uns bei dem Lauf gegen die Zeit auch nicht die blutigen, fast dokumentarischen Szenen, wenn das Herz entnommen und eingepflanzt wird. Diese Nähe und Unmittelbarkeit berühren, anstatt abzustoßen. Mit ihren vorsichtig ausbalancierten, emotionalen Szenen macht Quillévéré das Unerträgliche erträglich. Dabei ist sie nie bemitleidend, sondern immer voller Empathie. Nicht die Traurigkeit steht im Vordergrund, sondern die Hoffnung. Bis in kleinste Nebenrollen ist der Film toll besetzt, mit bekannten und unbekannten Gesichtern. "Die Lebenden reparieren" ist ein sehenswerter Film der unter die Haut geht.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen

Sendung: 06.12.2017 16:10 Uhr

Jetzt im Programm