Ein Dorf sieht schwarz
Medina Diarra als Sivi (l-r), Aissa Maiga als Anne, Marc Zinga als Seyolo und Bayron Lebli als Kamini. Bild © picture-alliance/dpa

Was passiert, wenn eine schwarze Familie aus dem Kongo in ein kleines verschlafenes Dorf in Europa zieht und der Vater dort den Job des Landarztes ausfüllen soll? Es prallen Kulturen aufeinander. Die französische Kinokomödie "Ein Dorf sieht schwarz" ist ein heiterer Film über das ernste Thema Rassismus in Europas Dörfern.

Worum geht es?

Es hört sich an wie eine einzigartige Chance. Seyolo hat gerade sein Medizinstudium in Frankreich abgeschlossen und bekommt eine Stelle in dem kleinen Städtchen Marly-Gomont angeboten. Nur so kriegt der Mann aus dem Kongo eine Aufenthaltserlaubnis. Der Haken: Das Dorf ist tiefste Provinz und er sticht wegen seiner Hautfarbe meilenweit heraus. Dennoch glaubt Seyolo, dass er mit der richtigen Einstellung die Vorurteile der Einwohner beseitigen kann. Und so landet er mitsamt Frau und Kindern in dem wohl traurigsten und langweiligsten Dorf Europas. Hier startet er voller Tatendrang seinen naiven Plan: die Herzen der weißen Landbevölkerung zu erobern.

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Die Schauspieler

Marc Zinga und Aissa Maigal hauchen der französischen Komödie eine Frische und Leichtigkeit ein, die ansteckt. Auch wenn Zinga schon im Film "Spectre" (James Bond) zu sehen war und Maigal in Frankreich mit vielen großen Regisseuren gedreht hat, in Deutschland sind sie eher unbekannt. Als schwarzes Ehepaar auf dem Land werden sie aber trotzdem begeistern. Es gilt das Sprichwort: Ein Blick sagt mehr als 1000 Worte. Zum Brüllen komisch ist, wenn Zinga als Landarzt Zantoko einer schwangeren Bäuerin an den Bauch fasst und diese dabei in eine Schockstarre verfällt und vergisst zu schreien. Oder wenn Aissa mit ihrer belgischen Verwandtschaft in die Kirche geht und dabei kraftvoller singt, als die gesamte Dorfgemeinde. "Ein Dorf sieht schwarz" hat viele solcher genialen Momente.

Der Regisseur

"Ein Dorf sieht schwarz" ist erst der zweite lange Spielfilm des Franzosen Julien Rambaldi und gleich ein riesiger Erfolg in Frankreich.  Auch wenn das Drehbuch darauf angelegt ist, dass wir damit rechnen, dass Seyolo irgendwann den Durchbruch schafft, so macht es doch unglaublich Spaß, dem Landarzt beim Scheitern zuzuschauen. Rambaldi hat einen Weg gefunden, sowohl die Bewohner als auch die schwarze Familie ernst zu nehmen, ohne in Klischees zu verfallen. Er macht sich nicht über die Menschen lustig, sondern zeigt vielmehr die Peinlichkeiten, die passieren, weil Angst und Unsicherheit das Handeln und Denken verhindern. Julien Rambaldi hat sich einen guten Zeitpunkt ausgesucht, um die reale Lebensgeschichte des im Jahre 2009 verstorbenen Seyolo Zantoko zu erzählen. Denn nicht nur in Frankreich spuken gerade wieder rassistische Ideen in den Köpfen der Menschen herum. Aber mit seinem Humor überwindet er Ängste und appelliert an unseren Verstand.

Sehenswert

Nach dem Kinohit "Ziemlich beste Freunde" erobern französische Komödien regelmäßig die Herzen der Deutschen. Hier könnte das ähnlich werden. "Ein Dorf sieht schwarz" ist voller Ironie und leisem Witz. Regisseur Rambaldi hebt weder moralisch den Zeigefinger, noch predigt er Völkerverständigung mit der Holzhammermethode. Vielmehr erzählt er eine emotionale Geschichte über das Menschsein, mit all seinen Vorurteilen und Ängsten. Die Annäherung zwischen dem Landarzt und seinen anfänglich unwilligen Patienten steckt voller komischer Wendungen. Natürlich gibt es am Ende ein Happy End. Aber auf dem Weg dahin werden wir mit vielen herzhaften Schenkelklopfern beglückt.

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