Loving
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Der Fall Loving schrieb Geschichte: Ein Paar - sie schwarz, er weiß -, das heiratet, obwohl das in den USA damals noch verboten war. Regisseur Jeff Nichols bringt die Story nun in die Kinos. Eine dramatische Geschichte mit tollen Schauspielern, meint unser Filmchecker - leider jedoch undramatisch erzählt.

Worum geht es?

Richard und Mildred sind ein Liebespaar im US-Bundesstaat Virginia. Er ist Maurer und sie pflückt Baumwolle. In ihrem Leben passiert nichts Aufregendes. Eines Tages hält er um die Hand von Mildred an. Sie fahren nach Washington zum Heiraten. Ein großer Fehler, denn jetzt beginnen die Probleme. Wir schreiben nämlich das Jahr 1958 und im Bundesstaat Virginia ist die Ehe zwischen Schwarzen und Weißen verboten. Richard und Mildred werden zuerst verhaftet und müssen dann Hals über Kopf wegziehen. Doch dann wird ein Anwalt auf den Fall aufmerksam und beginnt für ihre Rechte zu kämpfen. Bis zum Obersten Bundesgericht.

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Die Schauspieler

Joel Edgerton und Ruth Negga spielen das Ehepaar Loving. Edgerton ist Australier und bei Filmen wie "Star Wars" in Nebenrollen aufgefallen. Ruth Negga ist Irin mit äthiopischen Wurzeln und wurde 2006 auf der Berlinale als Shooting Star gefeiert. Als Ehepaar Loving bringen sie eine sensationelle schauspielerische Leistung. So wie das Ehepaar im realen Leben spielen die beiden sehr zurückgenommen, sehr schüchtern. Ohne große Gefühlsausbrüche oder emotionale Reden. Richard und Mildred Loving waren einfache Menschen, sie wollten sich nie ins Rampenlicht drängen und waren von dem Presserummel um ihren Fall sehr irritiert. Das bringen Edgerton und Negga perfekt zum Ausdruck. So sehr, dass ihre Leistung bei den Oscar-Nominierungen nicht gebührend gewürdigt wurde. Zu Unrecht. Die beiden zeigen zwei der besten Schauspielleistungen in einem US-amerikanischen Film der vergangenen Jahre.

Der Regisseur

Jeff Nichols ist für seine unorthodoxen Regieanweisungen bekannt. Er erzählt auch die Geschichte der Lovings auf sehr ungewöhnliche Weise. Anstatt diesen geschichtsschreibenden Bürgerrechtsfall mit emotionalen Szenen vor Gericht, rassistischen Gewaltausbrüchen und wütenden Aktivistenprotesten aufzubauschen, konzentriert sich Nichols nur auf das Privatleben seiner Hauptdarsteller. Ihm geht es um das Liebespaar, das sich jenseits der gesellschaftlichen Widerstände gefunden hat. Er geht sogar soweit, Gewaltszenen auszublenden und verzichtet fast vollständig auf die Darstellung offener Anfeindungen. Das ist überraschend, denn damit nimmt er der Geschichte die Dramatik.

Sehenswert

Die Geschichte der Lovings ist ein perfekter Grundstock für ein Drama. Das Szenario ist interessant, die Charaktere großartig und das Schicksal tragisch. Das Problem aber: Die Geschichte ist sehr vorhersehbar. Es fehlt die treibende Kraft und weil Jeff Nichols auf dramatische und emotionale Szenen verzichtet, kommt Langeweile auf. Zwei Stunden ohne gefühlvolle Momente. Das ist auch für Nichols‘ Fans viel verlangt. Die Dialoge bringen die Geschichte nicht voran. Und obwohl Zeitsprünge stattfinden, werden uns wichtige Infos vorenthalten. Zum Beispiel, wie sich die beiden kennengelernt haben und wie die Beziehung des weißen Vaters zu seinen dunkelhäutigen Kindern ist. Solche Höhepunkte sucht man hier vergeblich. Aber allein wegen der tollen Schauspieler lohnt sich der Film. "Loving" ist daher die Verfilmung einer dramatischen Geschichte, die undramatisch erzählt wird. Solide, aber leider nicht mehr.

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