Radiance
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Der preisgekrönte Film "Radiance" der japanischen Regisseurin Naomi Kawase erzählt die Geschichte einer Autorin für Sehbehinderte und eines Blinden. Beide können sich erst nicht leiden, werden aber dann zum Liebespaar. Ein gefühlvoller Film über das Sehen und die leise Verbindung zweier Menschen.

Worum geht es?

Misako ist eine junge Japanerin, die sich ihr Geld damit verdient, Filme für Sehbehinderte und Blinde zu beschreiben und zu übersetzen. Ein Job, der sehr viel Feinfühligkeit von ihr verlangt: Wieviel von dem, was sie sieht, darf sie beschreiben, und wieviel muss sie interpretieren? Misako bekommt ihr Feedback von einer Gruppe sehbehinderter Menschen, die sich ihre Beschreibungen jede Woche anhören.

In dieser Gruppe sitzt auch der Fotograf Nakamori. Als er noch sehen konnte, war er berühmt. Jetzt ist er verbittert und macht Misako das Leben schwer. Zwischen ihm und Misako kommt es anfänglich zu einer Auseinandersetzung. Immer wieder streiten sie sich über Formulierungen. Aber langsam, ganz behutsam, passiert etwas sehr Erstaunliches: Der blinde Fotograf bringt Misako das Sehen bei.

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Die Schauspieler

Die Hauptdarsteller Ayame Misake und Masatoshi Nagase sind in Deutschland eher unbekannt, wurden in Japan aber schon mit vielen Preisen ausgezeichnet. Ayame Misake spielt die schüchterne Misako, die sich große Mühe gibt, die richtigen Formulierungen zu finden und Masatoshi Nagase spielt den verbitterten Fotografen, der mit Kritik nicht spart. Beiden Schauspielern gelingt es zu zeigen, wie zwei scheinbar so grundverschiedene Menschen Interesse und Faszination am anderen entwickeln können. In "Radiance" geht es um die leise Verbindung zweier Menschen. Um eine Faszination, die zum Auslöser wird, endlich mit den eigenen Lebenslügen aufzuräumen.

Die Regisseurin

Naomi Kawase gehört zu den großen japanischen Autorenfilmerinnen und ist ein Liebling des Festivals von Cannes. "Kirschblüten und Rote Bohnen" war ihr letzter großer Erfolg im Jahre 2015. Seit 1997 ist sie regelmäßiger Gast des Festivals. So auch mit "Radiance", das in diesem Jahr den Preis der ökumenischen Jury bekam.

Kawase ist eine Filmemacherin der leisen Töne und des sinnlichen Erlebens. In ihren Werken geht es fast immer um Liebe und Trauer, um Verluste und Sehnsüchte. Kawase lässt sich beim Erzählen viel Zeit, dadurch entsteht eine intime, sehr eigene Atmosphäre. In "Radiance" gelingt der Japanerin etwas Erstaunliches. Sie macht einen Film über das Sehen. Wer am Ende aus dem Kino kommt, sieht die Bilder mit neuen Augen.

Sehenswert

Schönheit liegt in dem Moment, in dem etwas verschwindet. Das ist eine zentrale Aussage von "Radiance", zu deutsch "Glanz". In dem Film verschwindet bei dem Fotografen das Augenlicht, dennoch entsteht eine neue Form des Sehens, eine Art von Glanz. Naomi Kawase hat einen Liebesfilm gemacht. Nicht nur einen, der von Liebe erzählt, sondern einen, der auch das entsprechende Gefühl vermitteln möchte. Diese Gefühlsbetontheit ist manchmal etwas aufdringlich.

Man merkt der Regisseurin an, wie sehr sie sich um das Gefühlvolle bemüht. Andererseits, wer sich auf die leisen Töne einlässt, lernt etwas über das Sehen. So wie es Literaten gelingt, zwischen den Zeilen Gefühle zu schaffen, so gelingt dies der Regisseurin Naomi Kawase zwischen den Bildern. Ein Effekt, der überrascht und den Film zu einem besonderen Genuss macht.

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Sendung: hr-iNFO, 13.09.2017, 16:10 Uhr

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