Suburbicon
Bild © Kino.de

In den 50er Jahren entstanden in den Vorstädten Amerikas Siedlungen, die versuchten, eine heile Welt zu erschaffen. Freilich nur für weiße Amerikaner. Um diese heile Welt, in der plötzlich ein Mord geschieht, geht es in dem neuen Film "Suburbicon" von George Clooney.

Worum geht es?

Gardner Lodge lebt mit seiner Familie in Suburbicon. So heißt die idyllische Vorstadtsiedlung, in der sich ein Haus ans andere reiht und in der viele glückliche Familien leben. Natürlich nur weiße Familien, denn in der heilen Welt haben Schwarze nichts verloren. Eines Nachts wird Gardners Familie überfallen. Dabei kommt seine Frau ums Leben. Nach dem Drama kümmert sich deren Zwillingsschwester um Gardner und seinen Sohn. Sehr schnell wird jedoch klar, dass der Überfall nur fingiert war und Gardner seine Frau umgebracht hat, um ihre Lebensversicherung zu kassieren. Niemand kann ihm etwas nachweisen, außer sein junger Sohn Nicky. Und der schwebt nun in Lebensgefahr.

Externer Inhalt
Ende des externen Inhalts

Die Schauspieler

Starbesetzung mit Matt Damon, Oscar Isaac und Julianne Moore, die sogar in einer Doppelrolle zu sehen ist. Oscarpreisträger Matt Damon spielt den spießigen, autoritären Versicherungsbetrüger mit großer Überzeugungskraft. Der Schauspieler, der regelmäßig in Hollywood-Blockbustern zu sehen ist, schlüpft hier in eine biedere Rolle, die ihm durchaus steht. An seiner Seite spielt eine wie immer überzeugende und charmante Julianne Moore. Diesmal schlüpft sie in die Rolle einer durchtriebenen und skrupellosen Frau, die sich nicht scheut, ihre Zwillingsschwester umbringen zu lassen, um mit deren Mann alleine zu leben. Dann gibt es noch eine schauspielerische Entdeckung in Form des jungen Noah Jupe, der Nicky, den Sohn der Familie, spielt. Insgesamt ein starkes Ensemble, dem man bis zur letzten Minute gebannt zuschaut.

Der Regisseur

George Clooney zeigt sich mit seiner sechsten Regiearbeit inzwischen als Vollprofi. Sich ein 30 Jahre altes Drehbuch der Coen-Brüder vorzunehmen, war ein guter Schachzug, mit dem er sich direkt in die Filmfestspiele von Venedig katapultiert hatte. Dort allerdings hagelte es Kritik. "Suburbicon" fühle sich an, wie eine lahme Kopie von Werken der Coen Brüder. Eine unberechtigte Kritik, denn Clooney gelingt es durchaus, einen packenden, spannenden und jederzeit unterhaltsamen Film daraus zu machen.

Das einzige, was man Clooney vorwerfen könnte, ist seine holzschnittartige Darstellung der Personen. Die weiße Vorstadtsiedlung aus den 50er Jahren wirkt sehr stereotyp, die weißen Amerikaner allzu religiös, bigott und rassistisch. Die einzige schwarze Familie wiederum so unschuldig, charmant und freundlich. Eine feinere Ausarbeitung der Personen hätte der Geschichte gut getan.

Sehenswert

"Suburbicon" ist ein Knallerfilm, der mit jeder Minute an Fahrt gewinnt und immer neue, unerwartete Haken schlägt, die einem den Atem stocken lassen. Gespickt voller Ironie und bösem, bissigem Humor, wie wir es von den Coen-Brüdern aus frühen Werken gewohnt sind. Clooney zeigt uns eine Welt von Spießbürgern, die mit ihrer kriminellen Energie Versicherungen betrügen, Autos ihrer schwarzen Nachbarn anzünden, oder aber auch gerne mal ihre unliebsame Ehefrau um die Ecke bringen.

In fast jedem guten Spießbürger steckt ein latenter Ganove - eine Botschaft, die auch heute noch einen Nerv trifft. Weil Julianne Moore und Matt Damon diese Welt so hervorragend verkörpern, lohnt sich die kurzweilige Reise nach "Suburbicon" sehr. Dieser Film ist eine wunderbare, makabre, aber spaßvolle Achterbahn.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO, 08.11.2017, 16:10 Uhr

Jetzt im Programm