Marrakesch mit der Koutoubia-Moschee und dem Atlas Gebirge im Hintergrund
Marrakesch mit der Koutoubia-Moschee und dem Atlas Gebirge im Hintergrund Bild © picture-alliance/dpa

"Sie fahren viel zu schnell!", rief der Mann ins Handy unseres Korrespondenten. Er war mit einem Mietwagen in Marokko unterwegs, am anderen Ende war der Autoverleiher. Via GPS hatte er sich über den Fahrstil kundig gemacht. Keine Seltenheit im Land: "Alle passen auf", sagt eine Einheimische. Das hat manchmal jedoch auch Vorteile …

Neulich musste ich nach Oujda, 500 Kilometer hin- und zurück. Unterwegs, während der Fahrt, rief mein Kollege Jens Borchers an. Der Vermieter des Autos habe ihn angerufen, ich führe viel zu schnell. Woher der Autoverleiher das wusste? Nun, selbst in diesen unscheinbaren Hyunday ist offenbar ein GPS-Tracker eingebaut. Darüber informiert wurden wir nicht. Kollegen erzählen, wenn sie sich den spanischen Exklaven wie Melilla nähern, erhalten sie ebensolche Anrufe. Könnte ja sein, dass jemand das Auto geklaut habe und über die Grenze schaffen wolle. So geht das hier ständig.

Stefan Ehlert
Stefan Ehlert Bild © hr/Tina Giotitsa

Einmal, zu Besuch in einer europäischen Botschaft, debattierten die Gäste sehr offen über Politik in Marokko und nahmen sogar das Wort Westsahara in den Mund. Die gibt es offiziell ja nicht, jedenfalls aus marokkanischer Sicht. "Werden wir hier nicht abgehört?", fragte ich den Botschafter. "Doch, natürlich", antwortete er mit einem Lächeln und fügte hinzu: "Vive Le Roi! Es lebe der König!"

Überfälle aufklären? Ein Klacks

Wenn ich Interviews und Umfragen auf offener Straße mache, dauert es in der Regel keine fünf Minuten, bis ein Beamter in Zivil vorbeikommt und fragt, was ich da treibe, wer mir das erlaubt habe, Papiere bitte. Ohne sich auszuweisen. Keine Ahnung, woher er weiß, dass ich da bin, wo ich gerade bin. Einer meiner Kollegen hat seine Wohnung aufgegeben, er fühlte sich ausspioniert, vom Concièrge, dem Hausmeister, von den Nachbarn.

Gut, es gibt Fälle, da hat das System Big Brother auch Vorteile: Als einem Diplomaten am Strand Handy und Portemonnaie abgenommen wurden, mit vorgehaltenem Messer, hielt er das Raubgut kurz darauf schon wieder in der Hand. Für die Polizei ein Klacks, den Überfall aufzuklären.

Uns wird sowieso nichts geklaut, versichert mir unsere Teamassistentin immer wieder. In unser Büro – voll mit teurer Technik – breche keiner ein. Warum nicht? Sie zeigt mit einer unbestimmten Geste auf die umliegenden Balkone: "Alle passen auf", sagt sie. Davon bin ich inzwischen auch überzeugt.      

Sendung: hr-iNFO, 09.02.2017, 10:50 Uhr

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