Hookey
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"Du kannst nicht unsere Spiritualität bekommen, ohne unsere politische Realität zu kennen", sagt der Künstler Gordon Hookey. Der Aborigine bebildert auf seinen Werken die Geschichte Australiens aus Sicht seines Volkes - und liefert damit einen Gegenentwurf zur herkömmlichen Geschichtsschreibung durch britische Historiker.

Gordon Hookey ist ein politischer Künstler. Er gehört zum Volk der Waanyi und malt Worte auf Bilder. "Murriality Victorious" steht auf seinem Wandgemälde, das er eigens für die documenta produziert hat. Ein humoristisches Wortspiel aus "Morality" (Moral), "Mural" (Wandgemälde) und "Murriland", wie Queensland in Australien von den Aborigines genannt wird.

So sieht es aus

Wer durch den Eingang der Neuen Neuen Galerie in Kassel hineinkommt, steht direkt und unmittelbar vor zwei riesigen bunten Wandgemälden – zehn Meter breit und zwei Meter hoch. Eins stellt die Geschichte von Queensland dar. Von links  nach rechts erzählt es die mythologischen Anfänge bis hin zur Besiedlung durch die europäischen Kolonialmächte des Territoriums im Nordosten Australiens.

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Britische Soldaten schießen aus ihren Gewehren, dutzende Aborigines stehen in Ketten gefesselt. Der Hintergrund in grellen, bunten Farben. Das zweite Wandgemälde stellt die Zukunft dar: eine riesige Armee aus brillentragenden Kangurus. Ernst halten sie kleine Raketen in den Pfoten.

Das will der Künstler damit sagen

Hookey bebildert die Geschichte Australiens. Farbenfroh und ungewöhnlich. Seine bunte Form hat den documenta-Kurator Hendrik Folkerts vor rund zwei Jahren so begeistert, dass er das Wandgemälde in Auftrag gab. "Obwohl es sehr ernst ist, malt er es mit einem Sinn für Humor", sagt Folkerts über Hookeys Werk. "Er versucht immer eine positive Botschaft für sein Volk zu finden: was noch alles passieren könnte. Aber er malt auch Massenmorde. Es gibt also immer beide Seiten, was die Arbeit interessant und kontrovers macht."

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Hookey

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Hookeys Worte und Bilder stellen die Lebensrealität der Aborigines dar, gesellschaftlich und politisch geprägt durch Unterdrückung und Ausbeutung im Kolonialismus. Nur wer Australiens Geschichte durch die Augen seines Volkes sieht, könne sich deren Lebensrealität vorstellen, so der Künstler.

Kurator Hendrik Folkerts wollte von Hookey aber auch wissen, wie er sich die Zukunft seines Landes vorstellte. Und seine Antwort überraschte den Kurator. "Er malte diese verrückte, aber wunderschöne Armee der Kängurus." Das Känguru sei ein wichtiges Symbol für die Aborigines, denn es sei das Tier, das dem Land am nächsten ist. "Sie sollen aber keine militärische Armee darstellen, sondern eine Armee der Liebe und des Verständnisses", so Folkerts.

Indem Hookey die mündliche Geschichte der Aborigines neben die schriftliche Geschichte der Kolonialherren stellt, vereint er die gegensätzlichen Erzählungen der nationalen und der kulturellen Identität.

So kommt es an

Auf den ersten Blick wirkt Hookeys buntes Wandgemälde verspielt, vielleicht sogar etwas naiv, wie die farblichen Auswüchse eines Kindes. Aber wer sich auf die vielen geschichtlichen Details des Bildes einlässt, bekommt eine klare Antwort auf herkömmliche Geschichtsschreibung britischer Historiker.

Die haben das Volk der Aborigine nicht nur ignoriert, sondern ihnen auch jegliche Geschichte abgesprochen. Hookeys Wandgemälde ist ein zentraler Bestandteil der documenta 14 und ein kraftvoller Hingucker.

Sendung: hr-iNFO, 25. August 2017, 9:50 Uhr

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