Schwarze Seife Otobong Nkanga
Eine Performerin präsentiert die schwarze Seife der Künstlerin Otobong Nkanga. Bild © Katrin Kimpel (hessenschau.de)

Otobong Nkanga verkauft Seife - schwarze Seife. Die hat die nigerianische Künstlerin in Athen hergestellt, um sie in Kassel zu Geld zu machen. Was in der dritten Phase des kapitalismuskritischen Projekts passiert, hat sich unser Kulturreporter angeschaut.

"Carved to Flow" (Die Dinge im Fluss) hat die Künstlerin Otobong Nkanga ihr dreiteiliges Projekt genannt. Die 1974 in Nigeria geborene und in Antwerpen lebende Frau will Geschichten über Menschen erzählen, die ihre Heimat verlassen und anderswo neu anfangen müssen. Und diese erzählt sie mit Hilfe von selbstproduzierten Seifen. Denn Seifen hätten alle Eigenschaften, diese Geschichten zu transportieren, so Nkanga.

So sieht es aus

Es sind kleine quadratische Blöcke – etwas größer als ein Pfund Butter. Wer Seife aus Marseille kennt: genauso, nur schwarz, kohlrabenschwarz. Aus Naturstoffen, die wieder in die Erde zurückfließen können. Und diese schwarzen Seifenstücke werden von Verkäufern überall auf der documenta angeboten. Sie türmen die Seifenstücke auf einem runden Tablett auf. Ein Tablett, das angefertigt wurde, damit es dem Verkäufer einmal um die Hüften geht.

So geht oder steht der Verkäufer vor den Besuchern der documenta und erklärt, dass er die Seife nicht gleich verkaufen könne - und auch nicht mehr als eine pro Person. "Es geht darum, dass man kapitalismuskritisch denkt. Ich kann ihnen nicht zwei oder drei verkaufen, sondern immer nur eine."

Wer 20 Euro zahlt, darf sich eine Seife aussuchen, denn jede sieht etwas anders aus in ihrer Struktur. Der Verkäufer packt sie dann ein, mit einem Papier, auf dem ein Gedicht steht. Es gibt acht verschiedene Gedichte. Welches man bekommt, ist Zufall.

Das will die Künstlerin damit sagen

Seife besteht aus Öl - aus unterschiedlichen Ölen, um genau zu sein. Das hängt davon ab, wo die Seife herkommt: Sheabutter wird nur in Westafrika hergestellt, genauso wie Kakaobutter. Olivenöl gibt es nur am Mittelmeer. Alles Regionen, die in Krisen stecken, und doch so reich sind.

Nkanga interessiert der Widerspruch. Diese Regionen stellen reichhaltige natürlich Öle her, und sind andererseits gebeutelt durch Tumulte, Kriege oder extreme Wirtschaftskrisen. Dabei birgt die Herstellung dieser Naturprodukte Reichtum und Wissen. Aber weil die Menschen aus diesen Regionen fliehen, geht das Wissen dort verloren. Mit der Produktion und dem Verkauf der Seifen will die Künstlerin daher Geld sammeln und sie in den Regionen in die Herstellung von Seife investieren.

"Die documenta ist eine Art Plattform, die mir hilft, eine Struktur zu schaffen und einen Mechanismus, der sich selbst nährt und erneuert, ohne andere Strukturen in Anspruch zu nehmen", sagt die Künstlerin. Seife als eine Art Entwicklungshilfe also - zur Linderung von Krisen. Um Menschen Arbeit und Einkommen zu geben. Und ein Gedicht gibt es obendrauf, als Teil der Verkaufsperformance.

"Carved to flow" heißt die Arbeit der Künstlerin O. Nkanga auf der documenta 14 am 07.06.2017 in der Neuen Galerie in Kassel (Hessen). Die zu Türmchen errichteten Seifenstücke werden in einer Performance während der documenta verkauft.
Seifentürme in der Neuen Galerie in Kassel Bild © picture-alliance/dpa

So kommt es an

Die schwarzen Seifen von Otobong Nkanga sind schön und erfüllen einen guten Zweck und die Künstlerin selbst erzählt beim Verkauf tolle Geschichten - zum Beispiel, wie die Schwärze in die Seife kommt. Kein Wunder, dass die Nachfrage groß ist. "Ich werde sie behalten und nicht benutzen, es ist schließlich ein Kunstwerk", sagt ein Besucher. "Sehr reizvoll, und ich habe mir die schönste ausgesucht, ganz marmorisiert."

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Der documenta-Check

In der Zeit der documenta 14 in Kassel begleiten wir das Mega-Kunstevent mit einer wöchentlichen Serie, in der unser Kulturreporter besondere Kunstwerke unter die Lupe nimmt.

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