Studenten holen sich ihre Online-Einkäufe an der Universität in Beijing ab.
Studenten holen sich ihre Online-Einkäufe an der Universität in Beijing ab. Bild © dpa

Ob Hundefutter aus Japan, Lampen oder Kleidung: Der 11. November gilt seit einigen Jahren als der Shopping-Tag aller Singles in China. Ab Mitternacht beginnt eine Schlacht um Rabatte und Sonderangebote. Warum das so ist, weiß unser Korrespondent.

Der 11. November: zweimal die Elf oder viermal die Ziffer Eins. Als Alibaba diesen Shopping-Tag vor einigen Jahren erfand, lautete das geniale Argument, viermal die Eins stünde für vier Alleinstehende. Und weil Alleinstehende in China gesellschaftlich häufig immer noch bemitleidet werden, sagte Alibaba einfach: Diesen Tag widmen wir den Alleinstehenden und trösten sie mit günstigen Online-Shopping-Preisen.

Inzwischen fragt längst niemand mehr nach der Urpsrungsidee, stattdessen geht es nur noch um Rabattschlachten, Rekordumsätze und Shopping-Folklore. Fast alle Firmen in China, die online was-auch-immer verkaufen, machen zum 11. November Sonderangebote - vom Blumenlieferdienst um die Ecke bis zu den großen Konzernen wie JD oder eben Alibaba.

Mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz

"Ich habe mir Klamotten ausgesucht, Lampen für mein Schlafzimmer und neue Koffer zum Reisen", sagt die 28-jährige Nan Xi. Sie arbeitet als Live-Stream-Girl. Das bedeutet: Sie lässt Menschen in ganz China per Video-App an ihrem Leben teilhaben. Über Werbung und kleine Geldspenden ihrer Follower verdient sie Geld und das gibt sie besonders gerne online aus. Auf der Handelsplattform Taobao, die zu Alibaba gehört, gibt sie jedes Jahr mehr als 13.000 Euro aus. Deswegen ist sie Mitglied im Taobao-Vip-Club. "Auch das Hundefutter für mein Schoßhündchen Kangxi kaufe ich bei Taobao. Er isst nur japanisches Hundefutter und das kaufe ich immer online."

Wie zig Millionen andere Menschen in China auch, merkt sich Nan Xi seit Tagen interessante Produkte auf dem Smartphone online vor. Ab Samstag um Mitternacht kann sie die Artikel dann reduziert kaufen, so lange der Vorrat reicht. Der massiv beworbene Shopping-Wahn dürfte erneut alle Rekorde sprengen. Vergangenes Jahr hat allein der Online-Handelskonzern Alibaba mehr als 15 Milliarden Euro umgesetzt am 11. November.

Dieses Jahr dürften es noch deutlich mehr sein. Angepeilt werden mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz binnen eines Tages, also rund eine Milliarde US-Dollar Umsatz pro Stunde. "Gestern habe ich mir Klamotten von Boy London vorgemerkt", sagt Nan Xi. "Die Sachen, die ich kaufen möchte, kosten rund 200 Euro. Am 11. November gibt es das zum halben Preis. Sowas gefällt doch allen: Leuten mit und ohne Geld."

Sendung: hr-iNFO, 10.11.2017, 9.10 Uhr

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