Hochzeitstorte mit homosexuellem Brautpaar
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Darf ein Bäcker eine Hochzeitstorte für Schwule ablehnen, weil das gegen seinen christlichen Glauben verstößt? Der "Cake Case" schlägt in den USA hohe Wellen. Jetzt beschäftigt er die obersten Richter.

Der Konditor Jack Phillips erinnert sich noch genau an den Tag im Sommer vor fünf Jahren: Charlie Craig und Dave Mullins kommen in seinen Laden in Lakewood, einem kleinen Ort im Bundesstaat Colorado. Sie wollten eine Torte für ihre Hochzeit bestellen.

Phillips erklärte den beiden, von ihm würden sie keine Hochzeitstorte bekommen. Er habe zwar nichts gegen Homosexuelle, sein religiöser Glaube allerdings verbiete die gleichgeschlechtliche Ehe und deswegen könne er auch keine Torte anfertigen.

Bäcker beruft sich religiöse und künstlerische Freiheit

Dieser Fall ist nun bei Amerikas obersten Richter gelandet, nachdem Phillips vor einem Gericht in Colorado verloren hatte. Die Richter dort gaben dem schwulen Paar recht. Für sie ein klarer Fall von Diskriminierung. Auch Mark Silverstein von der Bürgerrechtsorganisation ACLU in Colorado sagt: "Die religiöse Freiheit gibt dir nicht das Recht, andere zu diskriminieren". Er vertritt die beiden Männer vor den obersten Richtern. "Wenn ein Laden für die Öffentlichkeit aufmacht, dann muss auch jeder bedient werden. Es können nicht bestimmte Gruppen ausgeschlossen werden. Und genau das passierte in diesem Fall."

Der Konditor verteidigt sich: Er habe die Männer nicht diskriminiert. Aber Jesus würde auch keine Hochzeitstorte für Schwule backen, erklärte er in TV-Interviews. Für Philipps ist eine aufwändig dekorierte Hochzeitstorte vor allem ein Symbol und zugleich eine Botschaft. Phillips beharrt auf seinem Recht als Künstler und Christ, frei entscheiden zu können, wie er sich ausdrücken wolle.

Ryan Anderson von der konservativen Heritage Foundation springt ihm bei: "Es kann jeder Glaube sein. Die Frage ist, ob der Staat einen Kreativen dazu zwingen kann, eine Botschaft zu äußern, mit der er nicht einverstanden ist. Die Antwort ist: Nein! Die Verfassung erlaubt den Bundesstaaten das nicht“, sagte Anderson im Fernsehsender Fox News. Völlig offen ist, ob die Mehrheit der neun obersten Richter das genauso sieht. Die Anhörung findet am Dienstag (5.12.) statt. Eine Entscheidung wird allerdings erst im nächsten Sommer erwartet.

Juristischer Testfall

Der sogenannte "cake case" - der Tortenfall - schlägt hohe Wellen in den USA. Und spaltet: Über 200 prominente Bäcker und Chefköche haben eine Erklärung unterschrieben, in der sie klarstellen: Essen ist keine Kunst und ist deshalb auch nicht geschützt vom ersten Zusatzartikel der US-Verfassung. Die US-Regierung hat sich mit einer eigenen Stellungnahme auf die Seite des Konditors Phillips aus Colorado gestellt.

Professor John Corvino von an der Wayne State University in Detroit spricht bei CNN von einem juristischen Testfall und zieht Vergleiche zu Fällen von Rassendiskriminierung: "Anti-Diskriminierungsgesetze kümmern sich ja nicht nur um Torten, Blumen und andere Gefälligkeiten. Es geht auch um Beschäftigung, Wohnraum, um ganz um grundsätzliche Waren und Dienstleistungen. Und es ist sehr wichtig, dass das Gericht klarstellt: Wenn du ein Geschäft aufmachst, dann öffnest du für die gesamte Öffentlichkeit“, so Corvino.

Charlie und Dave sind längst verheiratet und haben übrigens am Ende doch noch ihre Hochzeitstorte bekommen. Ein anderer Konditor erklärte sich bereit, ihnen eine schlichte, weiße, dreistufige Torte zu gebacken. Innendrin mit mehreren Schichten, in Regenbogenfarben.

Sendung: hr-iNFO, 5.12.2017, 9:50 Uhr

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