Raucherin mit Zigarette
Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA will dem Glimmstengel an den Kragen. Sie will den Nikotingehalt in Zigaretten reduzieren und so den Suchtfaktor verringern. Der Vorschlag stößt allerdings nicht nur bei Rauchern auf Kritik.

Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA will beim Rauchen den Regulierungshebel ansetzen: Rauchen soll nicht mehr süchtig machen, plädiert FDA-Chef Scott Gottlieb. "Wir sind an einem einzigartigen Punkt der Geschichte", kündigt der Arzt an, der schon viele raucherbedingte Krebsopfer behandelt hat.

Die FDA will dem Glimmstengel ans Nikotin, will seinen Gehalt in jeder Zigarette begrenzen. Denn tödlich seien zwar Teer und andere Giftstoffe, doch das Nikotin sei auf andere Weise gefährlich. "Nikotin macht erstaunlich süchtig. In einer Zigarette sorgt dieser Stoff für einen Mix aus Chemikalien, Krankheit und Tod", so Gottlieb.

Mehr als 35 Millionen Menschen hängen in den USA an der Zigarette, 15 Prozent der Bevölkerung. Jährlich sterben etwa eine halbe Million US-Bürger an den Folgen des Tabakkonsums. Diese hohen Raten, meint die FDA, seien auf den Suchtfaktor zurückzuführen. "Ein Bewertungskriterium für Zigaretten ist die Effizienz, mit der sie Nikotin abgeben. Der Schlüssel ist Inhalation. Ein Zug befördert das Nikotin in weniger als zehn Sekunden über die Lunge ins Hirn", sagt FDA-Chef Gottlieb.

Ankündigung lässt Börsenkurse abstürzen

Durch die dichten Rauchschwaden von Georgetown Tobacco, einem Tabakladen in Washington, dringt diese Botschaft nur schwer an die Kunden. Gelassen entspannen sie in schweren Ledersesseln und rauchen. Der Ladeninhaber hält nicht viel vom Versuch der FDA. "Wenn weniger Nikotin in der Zigarette ist, rauchen die Leute einfach mehr", meint er. Eine Sorge, die auch Gesundheitsexperten äußern.

Die Washingtoner Behörde wartet jetzt auf Reaktionen von Tabakkonzernen und Verbraucherschützern. Erst dann will sie sich zu möglichen Vorschriften für die Hersteller äußern. Doch allein die Ankündigung hat in der Tabakbranche viel Rauch erzeugt. Die Kurse großer Hersteller an der New Yorker Wall Street stürzten kurzfristig ab. Dabei läge die Lösung doch eigentlich ganz nah, wie ein rauchender Mann vor dem Tabakladen in Washington meint: "Wenn wir den Tabak einfach so rollen würden wie in den alten Zeiten, dann würden wir das Nikotin doch auch drosseln." So einfach wäre das.

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