Sujet Laufband
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Immer mehr schwedische Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern ein ungewöhnliches Belohnungsprogramm an: Wer regelmäßig ins Fitnessstudio geht, bekommt mehr Urlaub. Dabei haben die Schweden ohnehin schon viel Freizeit.

„Schon cool, wenn das Training belohnt wird. Man investiert ja doch ein paar Stunden in der Woche.“ Alexander arbeitet beim Telekomunternehmen T3 und er hat gerade eine halbe Stunde auf dem Laufband geschafft. Er macht mit beim neuesten Gesundheitsprogramm, das längst auch andere Unternehmen anbieten. Der Deal: Du gehst pro Woche mindestens drei Stunden lang ins Fitnesscenter und wir geben dir dafür eine Extrawoche Jahresurlaub.

Lieber Urlaub als Burnout

Wivecka Ljungh arbeitet in der Personalabteilung der Immobilienfirma “Mimer” in Västeras, etwa 100 Kilometer nordwestlich von Stockholm: "Wir wollen mehr gesunde Mitarbeiter und weniger stressbedingte Krankschreibungen, von denen es ja immer mehr gibt." Und das lassen sich die Firmen etwas kosten – nämlich Zeit! Das Motto: lieber eine Woche länger im Urlaub als, sagen wir, mit einem Burnout wochen- oder monatelanger Abwesenheit.

Bei "Mimer" sind inzwischen mehr als die Hälfte der etwa 150 Mitarbeiter dabei und auch bei T3 gibt es viele neue Fitnessfans. Die lassen sich einiges gefallen: Hartes Training und Kontrollen. "Die Angestellten leihen sich einen Pulsmesser aus, der an einen Computer angeschlossen wird, um die Trainingseinheiten zu registrieren. Auch die Abteilungsleiter können dann sehen, wer was und wie viel trainiert hat", sagt Projektleiter Johan Ählström. Es gibt aber auch Kritik an dem Projekt.

Und die Ursachenforschung?

Die Schweden haben ohnehin viel Freizeit, stehen mit 36 Urlaubstagen im Jahr, einer großzügigen Feiertagsregelung und gefühlt ewiger Elternzeit im weltweiten Freizeitvergleich schon fast unverschämt gut da. Hinzu kommen Zweifel von Experten wie Torbjörn Akerstedt, Stressforscher am Stockholmer Karolinska Institut. "Am wichtigsten wäre es doch, die Ursachen für Stresserkrankungen zu beseitigen und nicht, sie einfach nur zu behandeln."

Aber das wäre wohl viel schwieriger. So argumentieren jedenfalls die Personalchefs und setzen – offenbar mit Erfolg – auf das neue Konzept: Extraurlaub für Extrafitness. Antonio Paramio arbeitet bei Mimer und er trainiert hart, damit er auf 41 Jahresurlaubstage kommt. Wobei er die zusätzlichen fünf Tage für sein Lieblings-Antistresstraining nutzen will, das es im Fitnessclub garantiert nicht gibt. "Das Beste ist die zusätzliche Urlaubswoche. Ich geh‘ dann angeln."

Sendung: hr-iNFO, 8.8.2017, 15:35 Uhr

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