Frau mit Schal, die Fieber misst
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Die Grippe sorgt mal wieder für volle Arztpraxen. Wie kann man eine "echte" Grippe erkennen? Was hilft am besten dagegen und wie sinnvoll ist eine Impfung? Wir haben die wichtigsten Fragen zum Thema beantwortet.

Die Fragen hat uns Dr. Christian Sommerbrodt beantwortet. Er ist Facharzt für Allgemeinmedizin in Wiesbaden.

Wie kann man die Grippe von einer normalen Erkältung unterscheiden?

Die beiden Erkrankungen sind in erster Linie Viruserkrankungen und unterscheiden sich vor allem durch den Beginn der Erkrankung. Während der normale grippale Infekt, die normale Erkältung sich über mehrere Stunden und Tage langsam aufbaut und die Beschwerden immer schlimmer werden, ist es bei der echten Grippe so, dass die Erkrankungssymptome sofort da sind – innerhalb von wenigen Minuten, maximal einer Stunde, hat man ein schweres Krankheitsgefühl. Man bekommt Husten, Halsschmerzen und auch sehr hohes Fieber, also Temperaturen deutlich über 39 Grad Celsius, was durchaus dann auch ein bis zwei Tage anhalten kann und dann abebbt zu einer etwas niedrigeren Welle und die älteren Patienten, die ein geschwächtes Immunsystem haben, sind da dann besonders gefährdet, noch bakterielle Infekte obendrauf zu bekommen wie zum Beispiel Lungenentzündungen, Bronchitisfälle, eintrige Halsentzündungen.

Wenn man die Symptome hat, sollte man dann möglichst schnell einen Arzt aufsuchen oder sich ins Bett legen?

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Wöchentlicher Influenza-Bericht des Robert-Koch-Instituts

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Grundsätzlich ins Bett legen. Die Erkrankung ist in der Regel der Fälle nach wenigen Tagen überstanden. Wichtig ist es, darauf zu achten, dass man bei Husten mit Auswurf nochmal kontrollieren lässt, dass nicht eine Lungenentzündung dazugekommen ist. Ansonsten ist sowohl die echte Grippe als auch die grippalen Infekte eine sehr gute selbst limitierende Erkrankung, die in der Regel der Fälle durch reine symptomatische Behandlung gut weggeht.

Wie lange dauert eine Grippe?

Das ist individuell sehr unterschiedlich. Wir haben Patienten, die relativ schnell wieder fit sind, die tatsächlich innerhalb von einer Woche wieder ihrem normalen Alltagsgeschäft nachgehen können. Aber wir haben durchaus auch Patienten, die dann zwei Wochen oder länger mit der Krankheit zu tun haben, bis sie wieder voll einsatzfähig sind.

Welche Medikamente empfehlen sich bei einer Grippe?

Die Grippe – sowohl die echte als auch der grippale Infekt – wird eigentlich im Schwerpunkt symptomatisch behandelt, das heißt, wir geben Medikamente, wenn das Fieber zu hoch steigt, gegen das Fieber, gegen die grippalen Infekt Beschwerden, also das wäre dann Richtung Paracetamol, Aspirin oder Ibuprofen, und das reicht meisten aus.  

Was ist von Mitteln wie Grippostad oder BoxaGrippal zu halten, die man rezeptfrei?

Grundsätzlich sind das keine schlechten Medikamente. Es sind aber Wirkstoffkombinationen, das heißt es sind in dieser einen Tablette mehrere Wirkstoffe enthalten. Das ist für Patienten, die keine anderen Medikamente nehmen, nicht so dramatisch, aber wenn man andere Medikamente nimmt, kann es dann doch schnell zu Wechselwirkungen kommen, die der Patient gar nicht so abschätzen kann, weil ihm gar nicht bewusst ist, dass es ein Medikament mit mehreren Wirkstoffen ist.  

Wie ansteckend ist die Influenza?

Sie ist sehr ansteckend. Sie wird ja meistens über Tröpfchen-Infektion verbreitet, das heißt, der betroffene Patient hustet und niest, es bilden sich Tropfen, die dann auf Flächen sich ablagern können, seien das Tische, Türklinken, Treppengeländer, Fahrstuhlknöpfen – alles, womit wir in Berührung kommen. Und dort können sie einige Zeit infektiös bleiben und wenn man dann zufällig mit den Fingern in so einen Tropfen kommt und sich dann ins Gesicht fasst, kann man das so übertragen.  

Was kann man tun, um sich zu schützen? Sollte man immer die Sprühflasche mit dem Desinfektionsmittel in der Tasche haben?

Ja, das wäre gar nicht schlecht. Also die wirksamsten Methoden in erster Linie häufig Hände waschen beziehungsweise mit den Händen nicht ins Gesicht fassen – nicht an die Augen, nicht an die Nase, nicht an den Mund. Denn wenn ich Viren an der Hand habe, passiert noch gar nichts. Erst wenn ich sie mit den Schleimhäuten in Berührung bringe, kommt es zur Ansteckung.

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Wissenswertes zur Grippe-Impfung

Die Fragen zur Grippe-Impfung hat uns Professor Mathias Pletz beantwortet. Er ist Infektiologe und Pneumologe am Universitätsklinikum Jena.

Wem wird die Grippe-Impfung empfohlen?
Die Grippe-Impfung wird allen Patienten über 60 Jahren empfohlen. Außerdem auch Personengruppen, die an besonderen chronischen Erkrankungen – Herz und Lunge zum Beispiel – leiden und Schwangeren. Ansonsten sind es eher allgemeine Empfehlungen, dass Patienten, die einen sehr häufigen Kontakt mit vielen Menschen haben, sich impfen lassen sollten.

Wer sich zeitig hat impfen lassen, ist der jetzt gut gewappnet gegen die Grippewelle?
Ja. In diesem Jahr scheint es so zu sein, dass der vorausgewählte Impfstamm sehr gut zusammenpasst mit den zirkulierenden Impfstämmen. Man kann also davon ausgehen, dass wirklich ein sehr großer Schutz besteht.

Grippeviren verändern sich relativ schnell. Wie groß ist dann überhaupt der Impfschutz?
Das kann man leider nicht in Prozent ausdrücken, weil da verschiedene Faktoren zusammenspielen. Zum einen hängt es davon ab, wie gut die Experten getippt haben, als sie die Impfstämme zusammengesucht haben. Das scheint dieses Jahr sehr gut zu sein. Das zweite ist, wie gut ist das Immunsystem desjenigen, den ich impfe. Paradoxerweise ist es leider so, dass diejenigen, die ein hohes Risiko für schwere Influenza-Infektionen haben, weil das Immunsystem nicht mehr so gut funktioniert, auch diejenigen sind, die nicht ganz so gut auf die Grippe-Impfung ansprechen. Auf der anderen Seite kann man aber sagen, dass es unterm Strich auch für die Leute ein großer Vorteil ist, sich impfen zu lassen. Es gibt unzählige Studien, die gezeigt haben, dass die Grippeschutzimpfung in den Zielpopulationen – also den Älteren mit geschwächtem Immunsystem – die Krankenhauseinweisungen halbieren kann. Bei kleinen Kindern gibt es sogar Zahlen, dass die Intensivaufenthalte um drei Viertel reduziert werden können. Es gibt große Studien, die zeigen, dass die Sterblichkeit deutlich zurückgeht, wenn man sich gegen Grippe impfen lässt im Winterhalbjahr. Also unterm Strich hat man definitiv einen Nutzen davon.

Macht es Sinn, sich jetzt noch impfen zu lassen?
Es macht jederzeit Sinn, sich impfen zu lassen. Zum einen wird zwar immer empfohlen, sich schon im Oktober impfen zu lassen, aber wir wissen aus Studien, dass gerade bei Älteren beispielsweise dann die Antikörper im März, April schon wieder unter diese Schutzgrenze fallen. Und vor einigen Jahren war es auch so, dass die Grippesaison sich erst im Februar, März, April manifestiert hat. Es macht jederzeit Sinn, sich impfen zu lassen. Das ist ein Totimpfstoff, das heißt, selbst wenn sie in eine Infektion hinein impfen, wird die Infektion nicht dramatischer verlaufen, weil das abgetötete Viren sind, die können nicht mit den lebenden Viren, wenn sie sich infizieren sollten, mitmachen. Und eine Schutzwirkung haben sie in etwa zehn bis vierzehn Tagen. Also es lohnt sich jederzeit – auch jetzt noch und wenn sie noch eine Woche länger warten, würde es sich immer noch lohnen.

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