Handschlag
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Würdigen wir die Leistungen unserer Mitmenschen oft genug? Nein, sagt der ZDF-Moderator Tim Niedernolte und plädiert in seinem neuen Buch für mehr Dankbarkeit und Anerkennung.

Anderen mitzuteilen, was man an ihnen wertschätzt, macht glücklich. Das sagt ZDF-Moderator Tim Niedernolte in seinem Buch "Wunderwaffe Wertschätzung". Was wir tun können, um unseren Mitmenschen mehr Anerkennung entgegenzubringen, erzählt er uns im Interview.

hr-iNFO: Sie sprechen von Wertschätzung als eine "Wunderwaffe". Das klingt ja ein bisschen martialisch, oder?

Tim Niedernolte
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Niedernolte: Ja, das tut es. Wertschätzung ist sehr durchsetzungsstark und hat so viel Macht wie eine Waffe. Aber sie ist die einzige Waffe, die nicht zerstört, sondern aufbaut und wachsen lässt. Wertschätzung kann viel bewirken, was sonst nur durch Druck oder Machtausübung geschieht.

hr-iNFO: Sie schreiben von sich: "Ich bin ein voll überzeugter Wertschätzer." Wie drückt sich das aus?

Niedernolte: Ich habe sehr oft erlebt, wie positiv diese Waffe Wertschätzung ist. Wenn ich wertschätzend lebe oder es zumindest versuche, bekomme ich eine Menge zurück. Ich werde glücklicher und entspannter; das Leben macht mehr Spaß. Wertschätzung ist eine Kraft, die Energie freisetzt und Brücken baut – im Privatleben, im Beruf, aber auch mit Menschen, die ich nur an der Supermarktkette treffe.


hr-iNFO: Was erleben Sie sonst im Alltag? Zu wenig Wertschätzung?

Niedernolte: Definitiv zu wenig. Auch weil ich weiß, wie einfach es ist, Wertschätzung zu leben. Wir müssen sie mehr in die Gesellschaft tragen. Wenn jemand nicht weiterkommt, dann übt er Druck aus. Dann erwartet er mehr, ohne den Leuten was zu geben. Ich bin der Meinung: Wenn man den Menschen offen begegnet, sich auf Augenhöhe ihrer Sorgen annimmt, kann man am Ende viel mehr herausholen.


hr-iNFO: Sie schreiben weiter: "Wertschätzung beginnt im Kleinen. Aber wenn sie ihre Kraft entfaltet, zieht sie Kreise und kann eine Gesellschaft verändern." Wie realistisch ist eine solche Hoffnung auf einen Klimawandel in der Gesellschaft?

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Buchtipp

Wunderwaffe Wertschätzung: Vom großen Glück einer einfachen Lebenshaltung
von Tim Niedernolte
adeo
192 Seiten
18 Euro
ISBN: 978-3863341817
Erhältlich ab 26. Februar 2018

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Niedernolte: Ein Beispiel, das jeder kennt: In Bezug auf die Umwelt, die Natur und die Ressourcen ist es wissenschaftlich bestätigt, dass wir an unserem eigenen Grab schaufeln. Da ist dann die Frage: Weiter so wie bisher? Oder sollen wir sagen: Nein, ich starte jetzt mit einem wertschätzenderen Lebensstil gegenüber der Natur. Und dadurch verändern wir etwas. Das gilt auch in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Alltag, in Unternehmen. Einfach nur den Kopf in den Sand stecken und sagen, dass die Welt immer kälter wird, befriedigt mich nicht.

hr-iNFO: Heißt das, wenn Sie selber Wertschätzung ausdrücken, verändert sich etwas in Ihrem Umfeld?

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"Himmel und Erde"

Das ganze Gespräch mit Tim Niedernolte hören Sie in der Sendung "Himmel und Erde" rund um das Thema "Die Kraft der guten Worte". Darin geht's auch um die Segenslieder der Sternsinger, Taufsprüche als evangelische Tradition und den Kampf gegen "Hate Speech"im Internet.

Sendetermin: Sonntag (7.1.), 6:05 Uhr
Im Anschluss können Sie die Sendung hier nachhören.

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Niedernolte: Absolut. Und es muss gar nicht so groß sein. Einfach mal auf dem Weg zur Arbeit gucken: Wen treffe ich schon? Wer hat heute morgen schon für mich gearbeitet, während ich muffelig drauf war? Die Bäckersfrau, die mir den Kaffee früh verkauft hat, ist vielleicht so früh aufgestanden wie ich und genauso gestresst. Aber die liefert mir einen guten Start in den Tag. Und dafür einfach mal Danke sagen. Also, nicht immer groß denken, sondern im Kleinen anfangen, und plötzlich merken, wie viele Situation es im Alltag gibt, in denen Wertschätzung gelebt werden kann.


hr-iNFO: Sie sagen: "Wertschätzung heißt, dem Leben die Tür aufhalten." Wie bringen wir mehr Wertschätzung ins Leben?

Niedernolte: Es gibt ein Experiment: Einen Tag lang eine Wertschätzungsbrille aufsetzen, im übertragenen Sinn. Und mit dieser "Brille" gucken: Wo begegnet mir Wertschätzung? Wo fehlt sie? Und wo kann ich sie vielleicht weitergeben? Ich hatte vor kurzem einen Paketboten vor unserer Tür gesehen. Und ich dachte zuerst: Wenn ich jetzt aufmache, habe ich die ganzen Pakete von all den Nachbarn an der Backe. Doch dann dachte ich: Wenn ich ihm die Pakete abnehme, hat er vielleicht drei oder vier Minuten von seinem stressigen Job gespart. Für mich ist das kein großer Aufwand. Also einfach mal Gutes tun statt Böses machen. Mehr Entgegenkommen: im Treppenhaus dem Paketboten, in der Kita, im Dönerladen, im Amt. Überall.

Das Gespräch führte Petra Diebold.

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Sendung: hr-iNFO, Himmel und Erde, 7.1.2017, 6:05 Uhr

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