Tunesien
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In Tunis findet derzeit das "Chouftouhonna"-Festival statt. Ein Spektakel für feministische Kunst – und ein Treffpunkt für homosexuelle Frauen. Das Problem: Homosexualität steht in Tunesien unter Strafe.

Bochra Triki ist Ende 20, voller Energie und hat mit dem Festival Chouftouhonna ein klares Ziel: "Raum für Frauen zurückzuerobern, auch den öffentlichen Raum." Es geht um Sichtbarkeit. Darum, sich nicht mehr zu verstecken. Denn nach wie vor steht Homosexualität in Tunesien unter Strafe. Es drohen bis zu drei Jahren Gefängnis. Triki riskiert also dauernd, im Knast zu landen.

Die Endzwanzigerin ist Französischdozentin an einer Universität im Süden Tunesiens. Dort wissen einige, dass sie lesbisch ist. "Mein Abteilungsleiter weiß es. Er will gelassen damit umgehen, macht aber immer mal wieder kleine Witze darüber. Es ist immer noch so: Man redet gar nicht drüber oder zieht es ins Lächerliche", erzählt sie.  

"Seitdem hat sich viel geändert"

Neben Triki sitzt eine junge Frau, ebenfalls lesbisch. Sie ist nach einem üblen Erlebnis in einem öffentlichen Park zur Frauen-Organisation "Chouf" gekommen: "Ich war mit einer Freundin im Park. Wir haben uns umarmt und geküsst. So ein Typ hat Fotos von uns gemacht, kam dann zu mir und sagte: Wenn ich Sex mit ihm hätte, würde er die Fotos nicht ins Netz stellen.“ Danach begann die junge Frau, sich nach Hilfe umzusehen. Sie fand Chouf. "Da habe ich gesehen, dass ich nicht alleine bin. Dass es Anwälte, Psychologen und eben einfach Aktivisten gibt, die sind wie ich und die mischen sich ein."

Zitat
„So ein Typ hat Fotos von uns gemacht, kam dann zu mir und sagte: Wenn ich Sex mit ihm hätte, würde er die Fotos nicht ins Netz stellen.“ Zitat von Eine tunesische Homosexuelle
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Das Wort Chouf lässt sich vielleicht am besten mit "Schau" übersetzen, im Sinne von hinsehen, wahrnehmen. Denn darum geht es den Frauen. Triki hat das in der eigenen Familie erlebt. "Mein Vater hat früher sehr oft ziemlich abfällige Bemerkungen über Homosexuelle gemacht. Aber seit ich bei Chouf mitmache, seit er unsere Internetseite verfolgt und sieht, was wir, tun und auch sieht, was uns passiert – seitdem hat sich viel geändert."

Feministin und lesbisch

Bochra Triki geht in die Öffentlichkeit, mit vollem Namen, mit dem Willen, die Situation für lesbische Frauen und für Frauen überhaupt in Tunesien zu verändern. Ihre Kollegin arbeitet mit, will aber ihren Namen nicht sagen. "Meine Familie weiß das nicht. Sie wissen, dass ich mich für Frauen einsetze. Aber wenn ich zuhause Papiere vorbereite, die etwas mit Schwulen und Lesben zu tun haben, dann passe ich auf, dass ich keine Spuren hinterlasse." Sie fühlt sich gleich doppelt unter gesellschaftlichem Druck: Sie ist nicht nur Feministin, sondern auch lesbisch. Das ist im tunesischen Alltag alles andere als eine komfortable Position, sagt sie.

Und dennoch: Es tut sich etwas, wenn auch nur in kleinen Schrittchen. Chouftouhonna, das Festival für feministische Kunst, gab es bereits zweimal – in einem kleinen Touristenort, außerhalb der Hauptstadt. Diesmal aber kommt Chouftouhonna nach Tunis. Mitten ins Zentrum. Dorthin, wo es alle sehen können.

Sendung: hr-iNFO, 07.09.2017, 10:30 Uhr

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