Kakaopflanze
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Deutschland ist weltweit größer Exporteur von Schokoladen-Produkten. Der Rohstoff dafür kommt nicht zuletzt aus den westafrikanischen Staaten Ghana und Elfenbeinküste. Der Kakao-Anbau dort ist nach wie vor allem eines – Knochenarbeit. Unser Reporter hat sich auf einer Plantage in Ghana umgeschaut.

Ebenezer Oseh hackt geschickt eine Kakao-Frucht auf. Die kleine Plantage des 38-jährigen Bauern liegt im Südwesten von Ghana. Vier Hektar, bepflanzt mit Kakaobäumen. Die dicken, gelben Früchte sehen aus wie amerikanische Footbälle. Und die Kerne im Inneren sind von einer milchig weißen Schicht überzogen.

Ich soll mal einen probieren, sagt Bauer Oseh.  "Beißt Du auf den Kern?", fragt Oseh grinsend. "Nein", sage ich. Mir wurde schon gesagt, dass die Kerne frisch vom Baum ganz bitter schmecken. Die Bauern lachen.

Schokolade ist den Kakao-Bauern fremd

Keiner von ihnen hat schon mal das gekostet, was aus ihren Kakao-Kernen in Europa gemacht wird: Schokolade ist ihnen fremd. Bauer Oseh muss aber viel darüber wissen, wie er die empfindlichen Kakao-Bäume pflegen muss.

Oseh erzählt, wie oft er mit dem großen Hackmesser durch seine Plantage zieht, um überflüssige Äste und Gewächse zu entfernen. Dass er frühzeitig Kakao-Früchte und Äste abhacken muss, die von Pilz-Krankheiten befallen wurden. Sonst stecken sich die umliegenden Bäume an. Er muss Pestizide einsetzen.

Oft ist von Kinderarbeit die Rede

Alles wird hier per Hand gemacht. Und oft ist von Kinderarbeit die Rede. Davon, dass sich Kinder in jungen Jahren Verletzungen zuziehen, wenn sie mit dem Hackmesser arbeiten. Oder sich die Wirbelsäule verbiegen, weil sie die schweren Säcke mit Kakao-Kernen schleppen. Hier, im Dorf Kwanfifi, streiten alle ab, dass es das noch gibt.

Referenten der Kooperative, der die Bauern hier angehören, kommen regelmäßig und halten Vorträge: dass die Kinder nicht auf die Plantage, sondern in die Schule gehören. Dass sie auf keinen Fall mit Pestiziden und gefährlichem Werkzeug hantieren sollen. Einer dieser Referenten sagt: "Wenn die Bauern nicht aufgeklärt werden, dann gehen solche Praktiken einfach weiter, einfach weil sie zum Alltag geworden sind."

In Kwanfifi angeblich nicht mehr. Die Bauern der Kooperative produzieren zertifizierten Kakao – deshalb kommen Kontrolleure, die unter anderem den Pestizid-Einsatz und eventuelle Fälle von Kinderarbeit überprüfen. Und Bauer Oseh versichert mir, dass seine drei Kinder regelmäßig zur Schule gehen.

Jede Frucht muss von Hand aufgehackt werden

Die Haupterntezeit für den Kakao beginnt im September. Dann werden die reifen Kakao-Früchte von den Bäumen geholt und zu riesigen Haufen aufgeschichtet. Das ist mühsame, anstrengende Knochenarbeit: jede einzelne Frucht per Hand aufhacken, die Kerne herausholen und sie dann auf Bananenblättern auslegen. Sie sollen fermentieren. Bei diesem Gärungs-Prozess verschwindet der anfänglich bitter-herbe Geschmack und die Kerne werden langsam schokoladenbraun.

Durch einen Übersetzer erzählt mir Oseh, dass die Kakao-Kerne bis zu zehn Tage fermentieren. Anschließend werden sie zum Trocknen ausgelegt. Und während sie trocknen, müssen die Kakao-Kerne immer wieder gut durchgemischt werden.

Ob die Ernte gut ausfällt, hängt von der richtigen Mischung aus Regen und Sonne ab. Davon, wie stark sich die gefährlichen Pilz-Erkrankungen auf einer Plantage ausbreiten. Und davon, wie sorgfältig jeder Bauer seine Plantage pflegt. Die Ernte wird dann an Kooperativen sowie private oder staatliche Zwischenhändler verkauft. Und dann beispielsweise nach Deutschland exportiert. Dort erst wird Schokolade aus dem Kakao, den Ghanas Kakao-Bauern geerntet haben.

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