Helmut Kohl
Helmut Kohl Bild © picture-alliance/dpa

Helmut Kohl hat in den letzten 20 Jahren viel dazu beigetragen, sein eigenes Vermächtnis zu beschädigen. Dennoch werde es sicher bald Kohl-Denkmäler geben, meint unser Kommentator - zu Recht.

Denkmäler sind nicht viel wert, da verrichten ja doch nur die Tauben ihr Geschäft drauf. Solche Sprüche hatte Helmut Kohl drauf, als er selbst gefragt wurde, ob es später mal Helmut-Kohl-Denkmäler geben würde. Ich glaube, es wird sie geben, die Helmut-Kohl-Denkmäler. Auch wenn Helmut Kohl in den letzten zwanzig Jahren viel dazu beigetragen hat, sein eigenes Vermächtnis zu beschädigen.

Ich gehöre zu der Generation, die mit Kohl aufgewachsen ist. 16 Jahre war er Kanzler, das hat vorher noch keiner geschafft, und auch Angela Merkel ist davon noch ein gutes Stück entfernt. Kohl wurde verspottet. Das hatte auch viel mit seiner Pfälzer Mundart zu tun und mit seiner riesigen Leibesfülle. Ich habe auch gelacht über die Birne-Witze. Aber spätestens 1989 wurde klar, wie sehr Helmut Kohl unterschätzt worden war.

1990 wurde Kohl zum Weltpolitiker

Bis zum Mauerfall war Kohl vor allem ein gewiefter und knallharter Machtpolitiker gewesen, ein begnadeter Wahlkämpfer und streitlustiger Interviewpartner, der keiner Auseinandersetzung mit kritischen Journalisten aus dem Weg ging. Spätestens 1990 wurde Kohl zum Weltpolitiker. Mit Wolfgang Schäuble, den er später persönlich so schwer enttäuschte, zimmerte Kohl in rasender Eile die deutsche Einheit.

Das gelang auch, weil Kohl ein glaubwürdiger Europäer war. Einer, der Franzosen, Russen, Briten und auch die Amerikaner davon überzeugte, dass sich niemand vor einem größeren Deutschland fürchten müsse. Diese klare Haltung Helmut Kohls, die auch die Bedürfnisse der kleinen Staaten respektierte, ist bis heute richtig und wichtig. Ich glaube, dass alle verheerenden Fehler, die Kohl in der Schwarzgeldaffäre gemacht hat, gegen diese Leistungen verblassen werden.

Ich war nie ein Kohl-Fan als er noch regierte. Aber je weiter diese Zeit zurück liegt und je weiter auch die Erinnerungen verblassen an die Schwarzgeldaffäre und die Selbstgerechtigkeit des ewigen Kanzlers, der nicht vom Amt lassen wollte, desto mehr respektiere ich Kohls Leistungen. Ich sehe keinen Grund, unkritisch zu werden. Dass Kohl persönliche Ehrenworte gegenüber Spendern über das Gesetz stellte, kann ich ihm nicht verzeihen. Aber seine politischen Leistungen respektiere ich trotzdem. Als Kohl regierte, hätte ich gelacht, wenn jemand von einem Denkmal für den dicken Mann aus Oggersheim gesprochen hätte. Jetzt aber bin ich sicher, dass es bald Helmut-Kohl-Denkmäler geben wird. Und ich finde das richtig. Das hätte ich damals nie gedacht.

Weitere Informationen

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Ende der weiteren Informationen

Das könnte Sie auch interessieren

zum Artikel Die Nilgans-Debatte : Invasoren oder Bereicherung?

Sie stammen aus Afrika und machen sich seit etwa 30 Jahren in Hessen breit. Vielen sind sie ein Dorn im Auge, weil sie sich fleißig vermehren und jede Menge Kot hinterlassen. Nun hat Frankfurt die Nilgänse zur Jagd freigegeben, weil ihre Ausscheidungen laut einem Gutachten gefährlich für Kinder sein könnten.

zum Artikel Startup-Serie (4): Creditshelf : Die Möglichmacher

Wie kommen mittelständische Unternehmen, die kurzfristig einen Kredit benötigen, schnell an ihr Geld? Diese Frage hat auch Dr. Tim Thabe beschäftigt, dem die Kreditvergabe nach traditionellem Muster zu langwierig und kompliziert erschien. Deswegen gründete er "Creditshelf".

zum Artikel Startup-Serie (3): Variokan : Das Kanalnetz der Zukunft

Wenn sich jemand ausführlich Gedanken über etwas macht, was die wenigsten von uns interessiert, dann kann daraus ein Startup werden. Bestes Beispiel: Pierre Büttner. Sein Projekt ist das Kanalnetz der Zukunft: Ein flexibeles Netz, das Starkregen aufnehmen kann und auch mit wenig Wasser noch gut funktioniert.

Jetzt im Programm