Sterben, Hospiz
Bild © picture-alliance/dpa

Sterben und Tod sind immer noch Tabuthemen in unserer Gesellschaft. Doch das Bedürfnis der Menschen, sich mit diesen existenziellen Fragen zu beschäftigen, ist groß, wie eine Umfrage des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes zeigt. Noch immer sind viele Menschen nicht ausreichend informiert, wenn es um Fragen zum Lebensabend geht.

"Wir haben einen dramatisch hohen Wert, wo 56 Prozent der Menschen sagen, wir befassen uns zu wenig mit den Themen Sterben und Tod", sagt Benno Bolze, Geschäftsführer des Verbandes. Und ergänzt, dass sich dieser Wunsch offenbar hartnäckig hält. Ihn hatte es mit demselben hohen Wert bereits bei der ersten Umfrage vor fünf Jahren gegeben. 

Bolze liest aus  den Ergebnissen, dass viele Fragen rund um eine würdevolle und medizinisch gute Betreuung am Lebensende für die meisten Befragten nicht geklärt sei: "Das ist die Angst vor der Apparate-Medizin, die Angst vor Schmerzen und Angst um Hinterbliebene und Dinge, die ich nicht erledigt habe, die mich in dieser Situation noch belasten. Oder auch Angst, anderen zur Last zu fallen. Wir sehen hier gerade auch nochmal ganz wichtige Punkte im Hinblick auf die Sterbehilfediskussion in Deutschland."

Das bedeutet: Wie selbstbestimmt wird mein Lebensende sein? Fast 60 Prozent der Befragten würden deshalb zu Hause sterben wollen, in vertrauter Umgebung. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die meisten Menschen sterben heute in Kliniken oder auf Pflegestationen.

Immer mehr Patientenverfügungen

Ängste und Unsicherheit – so die repräsentative Studie - könnten auch mit fehlenden Informationen zusammenhängen. Antje Schneider, Vize-Vorsitzende des Verbandes, die selbst eine Hospiz-Einrichtung leitet, findet, es dürfe eigentlich nicht sein, "dass lediglich 18 Prozent der Befragten wissen, dass die Leistungen der ambulanten und stationären Hospizversorgung kostenfrei für die Betroffenen sind."

Politik und alle Verantwortlichen im Gesundheits- und Pflegebereich müssten besser informieren, fordert Schneider. Ob es deutschlandweit genügend Plätze für eine Hospizversorgung am Lebensende gibt, lässt sich allerdings nicht leicht beantworten. Gerade in Metropolregionen gebe es teilweise schon beinahe ein Überangebot, während es auf der anderen Seite noch immer "einzelne weiße Flecken" in den Flächenländern gebe, sagt Antje Schneider.

Immerhin, auch das zeigt die aktuelle Umfrage: Deutlich mehr Menschen befassen sich mit  dem Thema Patientenverfügung.  War es vor fünf Jahren nur ein Viertel der Befragten, sind es jetzt über 40 Prozent, die vorgesorgt haben für den Fall, dass sie selbst ihren Willen nicht mehr äußern können.

Sendung: hr-iNFO, 6.10.2017, 16:20 Uhr

Jetzt im Programm