Tatort auf der Schepp Allee in Darmstadt
Tatort des Messerangriffs: Schepp Allee in Darmstadt Bild © picture-alliance/dpa

In Darmstadt soll angeblich 16 Jahre alter afghanischer Flüchtling seine Ex-Freundin auf offener Straße niedergestochen haben. Das Motiv ist noch unklar. Wir haben nachgefragt, wie es dem Opfer geht.

Kurz nach Weihnachten soll im pfälzischen Kandel ein angeblich 15-jähriger afghanischer Flüchtling seine Ex-Freundin erstochen haben. Ein ganz ähnlicher Fall ereignete sich am 22. Dezember 2017 in Darmstadt: Da soll es ein angeblich 16-jähriger afghanischer Flüchtling gewesen sein, der seine Ex-Freundin auf offener Straße niedergestochen hat. Im Unterschied zu Kandel überlebte das Opfer in Darmstadt.

Die junge Frau habe großes Glück im Unglück gehabt, betont die Frankfurter Staatsanwaltschaft. Der Täter habe ihr zehn Mal in den Oberkörper gestochen, die Klinge sei aber ganz knapp an wichtigen Organen und Blutgefäßen vorbei gegangen. Inzwischen hat die Verletzte, eine 17-jährige Darmstädterin mit marokkanischen Wurzeln das Krankenhaus wieder verlassen können. Körperlich habe sie das Schlimmste wohl überstanden, aber seelisch könnte es ganz anders aussehen, befürchtet Staatsanwältin Barbara Homm, denn der Täter habe seinem Opfer heimtückisch aufgelauert und dann brutal auf sie eingestochen.

"Das ist in einer derartigen Vehemenz passiert, dass das Opfer schwerst verletzt worden ist, sodass wir die Ermittlungen nun wegen versuchten Mordes aufgenommen haben, weil das Opfer auch schwerstverletzt zurückgelassen wurde und nur deswegen gerettet werden konnte, weil Passanten das Opfer gefunden haben und eine Notoperation entsprechend stattfinden konnte", sagt Homm. Zum möglichen Motiv des Täters machte die Behörde noch keine Angaben, da die Ermittlungen nicht abgeschlossen sind.

Inaugenscheinnahme als Standard-Verfahren

Unklar ist auch noch, wie alt der Täter wirklich ist. Auf die Altersangabe von 16 Jahren, die in seinen deutschen Papieren steht, wollen die Darmstädter Ermittler nicht vertrauen, sagt Homm: "In diesem Fall bestehen aufgrund verschiedener Umstände Zweifel am Alter des Beschuldigten, sodass wir hier auch beabsichtigen, ein so genanntes Altersgutachten in Auftrag zu geben." Auch darin besteht eine Parallele zum Fall Kandel in Rheinland-Pfalz. Auch dort soll das Alter des Tatverdächtigen jetzt durch medizinische Untersuchungen bestimmt werden. Das Alter ist entscheidend, wenn es darum geht, ob die Verdächtigen nach Erwachsenenstrafrecht oder nach dem im Vergleich milderen Jugendstrafrecht verurteilt werden.

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zum Artikel Was tut der Staat, damit Menschen nicht zu Opfern werden?

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Bisher ist das Alter beider Tatverdächtiger nur durch eine so genannte qualifizierte Inaugenscheinnahme durch das Jugendamt Frankfurt festgestellt worden. Denn in Frankfurt wurden beide erstmals in Obhut genommen. Die Behörde erklärt schriftlich, wie die Altersfeststellung bei unbegleiteten minderjährigen Ausländern – kurz UMA – abläuft: "Unter Einbeziehung eines Dolmetschers wird von zwei Sozialpädagoginnen oder -pädagogen des Jugend- und Sozialamtes ein ausführliches Gespräch mit dem UMA geführt. Hier wird der Gesamteindruck gewürdigt, der neben dem äußeren Erscheinungsbild insbesondere die Bewertung der im Gespräch gewonnenen Informationen zum Entwicklungsstand umfasst." Diese Inaugenscheinnahme ist bisher das Standard-Verfahren in Deutschland zur Altersbestimmung bei angeblich Minderjährigen. Ob das ausreicht oder durch medizinische Tests zu ergänzen ist, wird jetzt breit diskutiert – nicht zuletzt wegen der Fälle in Kandel und Darmstadt.

Sendung: hr-iNFO, 11.1.18, 10:20 Uhr

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