Polizei-Anwärter legen ihren Diensteid ab.
Polizei-Anwärter legen ihren Diensteid ab. Bild © picture-alliance/dpa

Mehr als 180.000 Mitarbeiter sollen es sein, die dem Staat zur Erfüllung seiner Aufgaben fehlen. Das beklagt der Deutsche Beamtenbund und fordert bessere Anreize für eine Beamtenlaufbahn.

Immer wieder gibt es Schlagzeilen, die den Beamtenstatus nicht gerade interessant machen: Schüler, die keinen Respekt vor Lehrern haben oder Polizisten, die ständig angepöbelt werden. Wie attraktiv ist es also noch, Beamter zu werden? Die Behörden jedenfalls rühren fleißig die Werbetrommel, zum Beispiel mit Werbevideos. So wirbt auch die Hessische Finanzverwaltung um Nachwuchs.

Und das ist auch dringend nötig. In den hessischen Finanzämtern fehlen nach Angaben der Deutschen Steuergewerkschaft mindestens 1000 Mitarbeiter. Gerade sollen deutlich mehr angehende Finanzbeamte eingestellt werden als bisher. Die Bewerberzahlen sind in den vergangenen Jahren auch angestiegen. Aber das ist wohl nur ein erster Schritt. Internationale Steuerflucht, komplizierte Steuertricks und gigantische Datenmengen werden wohl auch in Zukunft für einen anhaltend hohen Personalbedarf in der Steuerverwaltung sorgen.

Lehrermangel an hessischen Schulen

Doch nicht nur den Finanzämtern fehlt ausreichend qualifizierter Nachwuchs. Auch an hessischen Schulen herrsche zum Teil Personalnotstand. Dabei seien Grund-, Förder- und Berufsschulen besonders betroffen, sagt die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen, Maike Wiedwald. Die Landesregierung müsse bessere Arbeitsbedingungen schaffen: "Gerade bei den Grundschullehrkräften bedeutet das auch, die ungerechte Bezahlung, die im Moment noch existiert, zu beenden. Das heißt, dass die Grundschullehrkräfte ebenso, das ist jetzt im Beamtensprachrecht A13 bekommen. Das heißt, die gleiche Besoldung wie auch Kolleginnen und Kollegen an anderen Schulen und in anderen Schulformen."

Zu einer besonderen Arbeitsbelastung der Lehrer in Hessen trage aber nicht nur die hohe Schülerzahl in den Klassen bei, sondern auch die langen Arbeitszeiten, sagt Wiedewald. "Hessen hat nach wie vor die höchste Pflichtstundenzahl für die Lehrer und Lehrerinnen und da muss deutlich was getan werden und diese müssen deutlich reduziert werden."

Werbung für die Polizei

Bei der Polizei hat sich die Bewerberlage mittlerweile etwas entspannt. Noch vor zwei Jahren konnten nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei nicht alle Stellen besetzt werden. Nach umfangreichen Werbemaßnahmen bewerben sich zwar jetzt prinzipiell genug jungen Menschen bei der hessischen Polizei, es gebe aber ein anderes Problem, sagt der stellvertretende Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft Stefan Rüppel. Nämlich, dass viele der Bewerber nicht aus Hessen kommen.

"Diese Kolleginnen und Kollegen merken oft ja nach mehreren Jahren oder auch nach der Ausbildung, dass sie doch gerne wieder zurückgehen würden nach Nordrhein-Westfalen nach Thüringen. Und das führt leider immer öfters dazu, dass Kolleginnen und Kollegen im Studium schon aufhören oder auch nach der Ausbildung." Deshalb fordert Rüppel, mehr junge Menschen aus Hessen für die Polizei begeistern. Ein Mittel dafür könnte seiner Einschätzung nach eine regionale Ausbildung sein. Dann müsste zum Beispiel ein angehender Polizist aus Kassel nicht mehr nach Südhessen für Seminare fahren, sondern könnte in seiner Heimatstadt bleiben.

Beamtenstatus zunehmend unattraktiv

Auch der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes in Hessen, Heini Schmitt, sieht dringenden Handlungsbedarf. Der Beamtenstatus werde zunehmend unattraktiv – jeder Repräsentant des Staates sei mittlerweile Anfeindungen ausgesetzt. Damit sich junge Menschen trotzdem für einen Job beim Staat entscheiden, müssten die Arbeitsbedingungen deutlich verbessert werden, sagt Schmitt.

"Das heißt, die Besoldung muss wesentlich attraktiver werden, nicht nur in den unteren Besoldungsgruppen. Die Rahmenbedingungen müssen besser werden. Und die ewigen Debatten um Pensionslasten und um den Wegfall des Streikverbots – all diese Dinge müssen raus aus der Diskussion." Immerhin: Die hessische Landesregierung ist im vergangenen Jahr den Beamten entgegengekommen: Mit mehr Stellen, einem Jobticket und mehr Geld.

Sendung: hr-iNFO, 8.1.18, 15:40 Uhr

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