Ramadan
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Innenminister Thomas de Maizière kann sich vorstellen, muslimische Feiertage einzuführen. Er wolle sich einer entsprechenden Debatte jedenfalls nicht entziehen, sagte er bei einer Wahlkampfrede. Dafür erntete allerdings auch in den eigenen Reihen heftige Kritik. Was spricht dafür, was dagegen?

PRO

Von Anne-Kathrin Eutin

Der Islam gehört zu Deutschland – das haben mehrere Bundespräsidenten sowie Kanzlerin Merkel mehrfach betont. Wenn das so ist, sollten dafür nicht nur Worte stehen. Klar, das ist ein wichtiges Signal, das Muslimen zeigt: Ihr gehört dazu. Konsequent wäre es aber genauso, ihnen auch die gleichen Privilegien zuzugestehen, wie eben einen offiziellen religiösen Feiertag jenseits einer bloßen Freistellung, die Muslime in den Stadtstaaten bereits in Anspruch nehmen können.

Es ist Zeit, die krude Logik zu durchbrechen, dass der Islam unsere sogenannte christliche Leitkultur irgendwie torpedieren würde – so, als wäre er daran schuld, dass nur noch jeder zehnte Katholik überhaupt Gottesdienste besucht. Oder als würde ein muslimischer Feiertag einen katholischen gleichzeitig abwerten. Da können die Islamophoben bei Twitter noch so heftige Schnappatmung bekommen. Rund 4,5 Millionen Muslime leben in Deutschland, Tendenz steigend. Unser Land verändert sich, es wird diverser – und es wird Zeit, dem Rechnung zu tragen.

CONTRA

Von Andreas Horchler

Das ist keine gute Idee! Klar, Muslime in Deutschland sollten das Ende des Ramadan und andere religiöse Tage feiern können. Können sie auch in einigen Bundesländern, die Schülern freigeben und Arbeitnehmern einräumen, den Glaubenstraditionen nachzukommen. Das ist gut und richtig, sollte großzügig behandelt werden und gehört sich so für eine funktionierende Demokratie.

Aber Bundesinnenminister de Maizière argumentiert, Allerheiligen sei schließlich auch nur in katholischen Gegenden Feiertag und entsprechend könnte doch in Gegenden mit stark muslimisch geprägter Bevölkerung ein Feiertag eingeführt werden. Im Prinzip aber sollten Feiertage weiter christlich geprägt sein.

Wohin führt das? Soll ein muslimischer Feiertag in bestimmten Bundesländern eingeführt werden? In einzelnen Städten oder Stadtteilen? Oder doch im ganzen Land? Wird er entsprechend der Bevölkerungsentwicklung eingeführt, dann müsste er auch wieder aberkannt werden, wenn in der entsprechenden Gegend nicht mehr so viele Muslime wohnen?

Na, dann müssten wir bitte konsequent sein: Die Universität Chicago ermittelte schon vor fünf Jahren, dass nirgendwo auf der Welt so wenige Menschen an Gott glauben wie in Ostdeutschland. In der Lutherstadt Wittenberg zum Beispiel, wo der Reformator vor ziemlich genau  500 Jahren seine 95 Thesen an die Schlosskirche nagelte, bezeichnen sich weniger als 15 Prozent der Menschen als Christen. Nach de Maizières Logik zu wenig, um Weihnachten oder Ostern als Feiertag beizubehalten. 

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Sendung: hr-iNFO, 13.10.2017, 13:05 Uhr

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