dpa Parthenon of books
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In der Zeit der documenta 14 in Kassel begleiten wir das Mega-Kunstevent mit einer wöchentlichen Serie. Unser Kulturreporter nimmt die Kunstwerke in Nordhessen unter die Lupe. In Teil 1 geht es um den Parthenon der Bücher.

70 Meter lang, 30 Meter breit und 14 Meter hoch: Die Dimensionen sind gigantisch. Eine Abbildung des Parthenons, des griechischen Tempels in Athen. Die Vorderseite besteht aus acht Säulen, die Seiten jeweils aus 17. Das größte Kunstwerk, das es je auf der documenta gab.

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Dossier: die documenta 14

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Parthenon ist griechisch und heißt übersetzt: Jungfrauengemach. In Kassel sind in der Nachbildung auf dem Friedrichsplatz aber keine Jungfrauen, sondern Bücher. Zehntausende von Büchern, eingeschweißt in Klarsichtfolie kleben sie an der Fassade. Die Fassade, ein Skelett aus Metall, ist vollständig behängt. Wer näher dran geht, sieht Bücher wie "Das Tagebuch der Anne Frank" oder Werke von Lion Feuchtwanger. Bücher die eins verbindet: Sie waren irgendwann einmal verboten.

Der Friedrichsplatzt als richtiger Ort

"Es gibt keine Demokratie ohne Bücher", sagt die Künstlerin Marta Minujin. "Es gibt keine Demokratie ohne Bücher, denn die Menschen lernen mit Büchern zu denken. Sie lernen mit der Sprache. Für sie ist die Kunst eine universelle Sprache, deswegen wird ihr Bücherbauwerk alle Sprachen vereinen."

Der Parthenon der Bücher soll am Ende der documenta 14 mit 100.000 Büchern behangen sein. Buchspenden werden immer noch angenommen. Die Besonderheit dabei aber: alle Bücher, die verbaut werden, müssen irgendwann mal verboten gewesen sein oder sind es noch heute. Denn der Parthenon der Bücher sei ein Appell an die Freiheit der Kunst, so documenta-Chef Adam Szymczyk: "Auf dem Friedrichsplatz verbrannten die Nazis damals tausende Bücher als Aktion‚ wider den 'undeutschen Geist', erinnert Szymczyk. "Das Fridericianum war bis 1941 eine Bibliothek, die im Krieg zerstört wurde und in der über 350.000 Bücher verbrannten. Dieser Ort ist symbolisch also stark aufgeladen. Daher glauben wir, dass der Friedrichsplatz der richtige Ort ist, um dort die Idee einer Demokratie durch Bücher zu repräsentieren."

Von Athen lernen

Ohne Bücher gäbe es keine Demokratie, ohne Kritik keinen Fortschritt. Marta Minujin baute eine kleinere Variante ihres Parthenon bereits in Argentinien. Direkt nach dem Ende der Militärdiktatur. In Kassel ist das Motto: Von Athen lernen. Denn die Demokratie wurde in Griechenland erfunden.

Der Parthenon der Bücher ist schon jetzt das Wahrzeichen der documenta 14. Unübersehbar, eindrucksvoll, ästhetisch, ausdrucksstark, aber auch sehr politisch. Die Künstlerin Marta Minujin hat eine starke Botschaft an die Besucher. Und an die Herrschenden. Wer andere Meinungen nicht zulässt, Journalisten wegsperrt, die Pressefreiheit einschränkt und Medien als "Fake News" bezeichnet, schaufelt der Demokratie ihr Grab. Eleganter und klarer kann man diese Aussage nicht machen.

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Wo kann ich Bücher spenden?

Bücherspenden werden direkt am Parthenon auf dem Kasseler Friedrichsplatz entgegen genommen. Nach dem Ende der documenta will Marta Minujin alle gespendeten Bücher an öffentliche Bibliotheken übergeben.

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