Kapitalmarktanalyst Robert Halver
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In der ARD-Themenwoche dreht sich alles rund um den Glauben - und das nicht nur im religiösen Sinne. Kapitalmarktanalyst Robert Halver glaubt zum Beispiel daran, dass Aktienmärkte funktionieren. Wir haben ihn an der Börse getroffen.

Mein Mikrofon und ich folgen Robert Halver über das Börsenparkett. Rundum rattern die schwarzen Anzeigetafeln mit den Börsenkursen und Börsenkurven. Hier und da bleibt der Kapitalmarktanalyst bei den Händlern stehen. Und dann gibt’s so Gespräche wie: "Aber der Markt geht ja nicht runter. Der hält sich ja. Der hält sich ja eisern. Ich sag immer: Der Dax ist nicht kaputt zu kriegen." "Noch nicht, noch nicht."

Sein Büro bei der Baader Bank liegt drei Minuten von der Börse entfernt. Dort ist er der Leiter der  Kapitalmarktanalyse. Aber er kommt jeden Tag rüber zur Börse, die Stimmung einfangen. Und wenn der großgewachsene Mann mit dem dunklen, nach hinten gekämmten Haar da so über Aktien, über den Kapitalmarkt spricht, dann spürt man: Hier lebt jemand seine Berufung.

"Dieser Job ist nie langweilig. Nie. Man sagt ja hier in der Börsensprache: Jeden Tag wird eine andere Sau über das Börsenparkett gejagt. Das hört nie auf. Aber das brauche ich auch. Dieses permanent Neue, dass da neue Facetten reinkommen, dass die Datenlage neu ist, dass man sie neu gewichten muss: Das ist absolut sexy."

Feldarbeit erdet

Die Börse ist nicht sein Tempel, aber sein Terrain, seine Welt. Das immer neue Zusammenspiel von Politik, von Geldpolitik und Marktbewegungen. Und die Datenlage, die sich daraus ergibt, zu analysieren, zu bewerten, die Anlagestrategien für die Bank vorzugeben, das ist sein Ding. Was ihn bei seiner Arbeit leitet?

"Ein Leitbild für mein Berufsleben ist mein Opa. Als Landwirt hat er mir beigebracht, dass Bodenhaftung immer sehr wichtig ist. Als kleines Kind, da habe ich meine Sommerferien immer gehasst, weil ich im Sommer immer mit aufs Feld musste. Das war nicht schön. Heute weiß ich das irgendwo zu schätzen. Das hat mich schon geerdet", so Halver. Auch nicht vom Börsenparkett. Auf dem man in diesem Job aber auch an diesen Kapitalmarkt glauben muss. Oder?

"Bitte: Mach nichts mit Geld"

"Wer Kapitalmarktanalyst und Händler ist, der muss schon dran glauben, dass Aktienmärkte irgendwie funktionieren, dass man sie einschätzen kann. Sonst macht das ganze keinen Sinn. Und natürlich müssen Sie auch selbst Spaß an Aktien haben. Wer kein Spaß an Fußballspielen hat, geht nicht ins Stadion. Ich brenne dafür, weil ich hier private und berufliche Interessen miteinander kombinieren kann." Für besagtes berufliches Leitbild, den Opa, damals im Rheinland, in Düren, wo auch Robert Halver aufgewachsen ist,  waren alle Gelddinge allerdings ein rotes Tuch. Er hat damals zwei Geldentwertungen mitgemacht.

"Ich weiß noch, wie er mir sagte: Du kannst im Leben alles machen. Du musst kein Bauer werden. Da bin ich gar nicht böse. Aber bitte: Mach nichts mit Geld! Wenn er wüsste, dass ich Banker geworden bin, er würde sich im Grab nicht nur rumdrehen, nein, man könnte diese massiven Umrundungen zur Stromgewinnung einsetzen." Und für solche kräftigen Bilder in der Sprache, für die ist Robert Halver bekannt. Hörern, Zuschauern und Lesern.

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