Bianca Bosker
Bild © Matthew Nguyen

Bianca Bosker hatte keine Ahnung von Wein, bis ein Youtube-Video alles änderte. Sie sah die Weltmeisterschaft der Sommeliers - und war so fasziniert, dass sie das unbedingt lernen wollte. Sie kündigte ihren Job, begann morgens zu trinken, leckte Felsbrocken ab, um ihren Geschmack zu speichern. Ihre Geschichte hat sie in einem Buch erzählt.

Bianca Bosker trinkt keinen Wein, sie liebkost ihn, streichelt ihn mit der Nase, den Sinnen, der Zunge: Wein, für sie eine Reise in ein anderes Universum. Das war nicht immer so. Bianca Bosker, eine New Yorker Internet-Journalistin, hatte keine Ahnung von Wein. Rot oder weiß, das war alles, was sie wusste.

Bis sie auf Youtube – ausgerechnet - die Weltmeisterschaft der besten Sommeliers, der besten Weinkellner sah: "Das war mein Erweckungserlebnis. Ich hab überhaupt nicht mehr aufhören können, die Filme zu gucken. Ich war total fasziniert."

"Entscheidend ist, Geschmack erinnern zu können"

Weinkellner, die Reben, Lage, Jahrgang und sogar das Weingut erschmecken konnten. Blind. Das wollte sie auch. Nur, dass Bianca Bosker radikaler an die Sache heranging. "Ich hab meinen Job gekündigt, fing morgens an zu trinken, zu probieren, Wein zu erleben", erzählt Bosker.

Sie kroch durch den Central Park, leckte Felsbrocken ab, um ihren Geschmack zu speichern. Mit einem Wort: Sie begann für ein Jahr, ihren unterentwickelten Geschmackssinn neu zu erfinden. "Die entscheidende Sache ist, Geschmack erinnern zu können, eine Bücherei des Geschmacks im Kopf zu haben", sagt Bosker.

Ihr Ziel: in einem Jahr ein Master-Sommelier zu werden. Inklusive der wohl schwierigsten Sommelierprüfung der Welt. Einige würden über Sommeliers denken, sie seien überschätzte Kellner, die eine Flasche Wein aus dem Keller zum Tisch im Restaurant bringen, sagt Bosker.

Weitere Informationen

Buchtipp

"Cork Dorks" von Bianca Bosker
Penguin Books
352 Seiten
ISBN: 978-0143128090

Das Buch ist bislang nur auf Englisch erschienen.

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Für sie aber sind Sommeliers Künstler. "Cork Dorks" - Weinverrückte. Ein Jahr tauchte sie ab in die Weinwelt, hat ein Buch darüber geschrieben: Cork Dork. Wein, für sie seither mehr als nur ein Getränk: "Wein ist kein Getränk nur für spezielle Anlässe. Wein macht alles zu einem speziellen Anlass", sagt Bianca Bosker.

Was ist guter Wein?

Sie hat ihr Leben dafür auf den Kopf gestellt, Hunderte Weine probiert, war morgens um 12 Uhr betrunken, stand abends als Weinkellner in Restaurants. "Ich war vielleicht sechs Stunden am Tag nüchtern. Statt ins Fitnessstudio zu gehen, habe ich meinen Geschmackssinn trainiert."

Was aber ist ein guter Wein? Teuer, billig - nicht entscheidend, sagt sie: "Wenn ein Schluck zum nächsten führt, das macht einen guten, interessanten Wein aus." Ihr Buch ist eine Liebeserklärung an den Wein, ihre Geschichte eine Reise in den Wahnsinn der Weinwelt. Ihre Botschaft: Jeder kann Geschmack lernen.

"Kommt einem Organsmus wohl am nächsten"

Ihr Buch "Cork Dork" ist mittlerweile auf der Bestellerliste der New York Times. Die Sommelierprüfung übrigens hat sie bestanden. Und was wäre der Wein, den sie am Ende ihres Lebens als letzten Wein trinken möchte? Keine Frage: einen Sauternes, einen Süßwein aus dem Bordeaux vom wohl berühmtesten Chateau der Welt, Chateau D'Yquem. Die Begründung: "Der Wein kommt in Flaschenform einem Orgasmus wohl am nächsten."

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