Stierhatz in Pamplona
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Es ist die größte, wildeste und auch umstrittenste Fiesta Spaniens: Sanfermines in Pamplona. Seit Freitag werden gut eine Woche lang täglich Stiere durch die Altstadt gehetzt, immer wieder gibt es Verletzte, manchmal sogar Tote. Tierschützer kritisieren den Brauch als Tortur.

Es bimmelt und es klappert auf der knapp einen Kilometer langen Strecke durch die Altstadt. Es ist der Weg für die sechs Kampfstiere in die Arena von Pamplona. Jeden Morgen um 8 Uhr werden sie über Kopfsteinpflaster getrieben, rutschen immer wieder aus. Genauso geht es den tausenden Besuchern in weißen Hemden, weißen Hosen und roten Halstüchern, die einen Kick darin sehen, ein paar Meter mit den Stieren zu laufen. "Die Straßen sind voll, Leute aus aller Welt kommen, jeder redet mit jedem, einfach genial", sagt ein Mädchen aus Pamplona, das es kaum abwarten kann, bis es wieder losgeht.

Sanfermines ist nichts für Leute mit Platzangst: 1,5 Millionen Besucher werden erwartet. Sie drängen sich durch die Gassen der Stadt, die nur 200.000 Einwohner hat. Dabei kommt es oft vor, dass die Hände vieler Männer nicht dort bleiben, wo sie sollen: Frauen beklagen sich immer wieder über sexuelle Übergriffe – im vergangenen Jahr gingen so viele Beschwerden ein wie noch nie. Die Stadt reagiert: Sie hat Infostände aufgebaut, verteilt Flyer, überwacht die Straßen mit Kameras und rät Frauen, die sich belästigt fühlen, laut "Feuer" zu rufen, um andere Besucher auf sich aufmerksam zu machen. "Ich denke und hoffe, dass dieser hässliche Teil von Sanferines der Vergangenheit angehört. Und dass die vielen Besucher nun besser als bisher die Rechte von Frauen beachten", sagt Pamplonas Stadtsprecherin Lucinda Poole.

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Tierschützer kritisieren Veranstaltung

Und was ist mit den Rechten der Stiere? Diese Frage stellen Tierschützer. Etwa 100 von ihnen haben sich am Mittwoch blutrot angemalt und vor das Rathaus von Pamplona gestellt. Sie hielten Schilder hoch mit Sätzen wie "Stiere sterben in Pamplona einen blutigen Tod".

Marta Esteban ist die Präsidentin des Tierschutzverbandes "tortura no es cultura", "Tortur ist keine Kultur" – sie findet, dass ein Fest wie Sanfermines nicht ins 21. Jahrhundert passt: "Stiere sind es nicht gewohnt, schnell zu laufen – ihre Körper sind nicht darauf ausgelegt, sie leiden darunter sehr. Sie sind danach müde, erschöpft und müssen abends dann völlig kaputt zum Stierkampf antreten, wo ihnen zusätzlich große Schmerzen zugefügt und sie schließlich getötet werden. Das Schlimmste für mich ist aber, dass sich Menschen an all dem erfreuen."

Teure Vogelperspektive

Die Organisatoren von Sanfermines weisen darauf hin, dass die Stierhatz und der Stierkampf nur Teile der Festlichkeiten sind, deren Tradition bis ins Jahr 1591 zurückreicht. Die Stadt plant insgesamt 425 Veranstaltungen, vor allem Konzerte, Tänze und Umzüge mit riesigen Pappmaché-Figuren. Genau diese Mischung mag José Aldunate, der als Stadtführer in Pamplona arbeitet: "Das ist ein sehr schönes Fest. Ob man die Stierhatz mag oder nicht: Hier wird 24 Stunden am Tag gefeiert. Klar, es fließt viel Alkohol, aber darauf kommt es nicht nur an. Hier haben alle Freude: Du triffst 20-Jährige, die mit ihren 80-jährigen Großeltern unterwegs sind und zusammen feiern."

Josés Tipp: Sich das ganze Spektakel von oben anschauen. Viele Anwohner der Altstadtstraßen vermieten ihre Balkone an Besucher. Doch die Preise dafür sind enorm: Die Balkone mit der besten Aussicht gehen für rund 400 Euro pro Tag weg.

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