Wikipedia
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Dank Wikipedia hat man viele Antworten schnell und kostenlos parat. Unumstritten ist die Enzyklopädie aber nicht: Die Autoren sind anonym, große Firmen lassen Artikel ändern, viele Artikel haben Fehler. Ist Wikipedia nun eine der größten Errungenschaften des Internets oder ein ungenaues Rentnerwerk?

Wikipedia ist eine Revolution. Ein Geschenk. Wikipedia ist die Befreiung des angestaubten, so unheimlich wertvollen Lexikonwissens. Wikipedia ist eine der am häufigsten besuchten Internetseiten weltweit. Um mal eben etwas nachzuschlagen, braucht man wenige Sekunden. Wer hat sich früher schon so oft und so schnell nach dem Kleinen Brockhaus im Bücherregal gebückt?

Wissen ist Macht. Und dank Wikipedia  steht das Wissen der Welt jedem kostenlos zur Verfügung. Nicht jeder konnte sich früher ein teures Universallexikon immer auf dem neuesten Stand leisten. Oder ist schon für eine kleine Jahreszahl in die Bibliothek gefahren?

Jetzt kann sogar jeder zum Autor werden; demokratischer geht es kaum. Die Regeln sind klar: Autoren müssen von einem neutralen Standpunkt aus schreiben, niemand darf wirtschaftliche Interessen verfolgen.

Mehr männliche Autoren

Seit sechzehn Jahren gibt es Wikipedia. Skandale gab es bisher nur mini-kleine. Die Daimler AG hatte Informationen über ihre NS-Vergangenheit löschen lassen. Doch  der WDR hatte das herausgefunden. Heute gibt es einen Eintrag dazu im Wikipedia-Artikel über Daimler.

Autoren schreiben nicht nur ihre eigenen Artikel, sie kontrollieren und verbessern sich auch gegenseitig. Geld bekommen sie dafür nicht. Wie divers sind die Autoren? Nur zehn Prozent der Autoren sind weiblich, ein Problem. Studien haben bereits festgestellt, dass sich das in den Artikeln widerspiegelt. Es gibt mehr Einträge über prominente Männer als über prominente Frauen; und bei den Frauen wird ihr Beziehungsstatus häufiger erwähnt und wie viele Kinder sie haben. Das ist unausgewogen, ja, kann sich aber noch ändern.

Problematik: Qualität

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zum Artikel Wikipedia - besser als jedes Lexikon?

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Problematischer sind die Qualitätsunterschiede der Artikel - sowohl bei der Genauigkeit als auch bei der Sprache. Manche Artikel sind ausführlich, andere gar nicht. Darüber streiten sich die Wikipedianer, wie sich die Autoren nennen, auch untereinander. Nicht zu jedem Thema findet sich ein fertiger Schulaufsatz, aber das ist vielleicht auch noch ganz gut so, so lange Medienkompetenz noch kein Schulfach ist.

Wikipedia schenkt uns unbegrenzten Zugang zum Wissen. Die Verantwortung für den Umgang damit tragen wir allerdings selbst. Wikipedia ist ein Teil einer immer freier werdenden, digitalen Medienwelt. Für den Nutzer bedeutet das, dass es immer wichtiger wird, dass er Quellen hinterfragt. Bei Wikipedia wird jede Quelle angegeben, oft mehrere Hundert pro Artikel, die müssen wir uns anschauen. Ja, das kostet auch Zeit, sehr wahrscheinlich länger als den guten, alten Brockhaus aus dem Regal zu suchen. Aber dafür sind wir hinterher auch um einiges schlauer. Wikipedia macht uns schlauer. Davon bin ich überzeugt.

Sendung: hr-iNFO, 9.8.2017 um 07:30 Uhr

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