Testosteron
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Männerhirne sind acht bis 13 Prozent größer als Frauenhirne, aber: Größe ist nicht alles. Da gibt es auch noch die Hormone - beispielsweise das Testosteron. Laut einer neuen Studie aus den USA sind Männer unter Testosteron-Einfluss etwas dümmer als andere, merken das aber nicht.

Es ist eine der größten Studien in Sachen Testosteron überhaupt, erzählt der verantwortliche Professor Colin Camerer vom California Institute of Technology. "Wir haben 234 Männer dafür geworben, sie bekamen morgens ein Gel, das sie sich auf den Oberarm schmierten." Was die Männer nicht wussten: Die eine Hälfte bekam Gel mit Testosteron, die andere ein wirkungsloses Placebo.

Colin Camerer
Professor Colin Camerer Bild © CC-BY. Credit: John D. & Catherine T. MacArthur Foundation

Dann mussten die Männer Denksportaufgaben lösen. Zum Beispiel diese: Eine Alge in einem Teich wächst jeden Tag auf das Doppelte ihrer vorherigen Größe. Nach 48 Tagen bedeckt sie den ganzen Teich. Nach wie vielen Tagen bedeckt sie die Hälfte? Die intuitive Antwort sei 'nach 24 Tagen', so Professor Camerer. Aber die Alge verdoppelt ja jeden Tag ihre Fläche, also bedeckt sie nach 47 Tagen den halben See. "Die schnelle, intuitive Antwort ist also falsch. Und für die richtige Antwort muss man nachdenken", sagt Camerer.

Schlecht für Denksport, gut für Fortpflanzung

Doch das fiel den Testosteron-Männern offenbar schwer. Sie lösten im Schnitt nur die Hälfte dieser Aufgaben richtig. Die Teilnehmer ohne Testosteron-Gel dagegen zwei Drittel – oder, wie es der Professor formuliert, das Testosteron machte die Männer etwas dümmer, gab ihnen aber gleichzeitig das Gefühl, schlau zu sein.

Trotzdem habe das Testosteron in der Natur schon seinen Sinn, sagt Camerer. Denn es gibt Situationen, in denen die schnelle Bauchentscheidung wichtig ist, zum Beispiel, ob man vor einem Raubtier fliehen soll. Und: "Wenn Männer mit Selbstbewusstsein auftreten, haben sie einen höheren sozialen Status", so der Professor. "Frauen sagen, dass sie selbstbewusste Männer mögen. Das macht Männer also sexuell attraktiv. Für die Denksportaufgaben ist das Testosteron schlecht, aber es erhöht die Chance, sich fortzupflanzen."

Die Ergebnisse der Studie lassen sich auch aufs Berufsleben anwenden. Als Kampfpiloten oder Anführer im Krieg wären eher Männer mit hohem Testosteronspiegel geeignet, erklärt Camerer. Wenn aber zum Beispiel ein Arzt eine Diagnose stellen solle, wäre weniger Testosteron besser. Als Wissenschaftler gehöre er selbst eher zur zweiten Gruppe, so der Professor. "Ich habe aber einen elfjährigen Sohn, der ist noch nicht mal in der Pubertät, und mir fällt jetzt schon auf: Er und seine Freunde haben eine Menge Selbstvertrauen."

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