Kleiner Junge in einem Spielzeugauto
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Eine neue Studie kanadischer und schwedischer Forscher kritisiert simple Umweltschutzempfehlungen wie "Licht aus" oder "mehr Autoreifendruck" zur Reduzierung von CO2. Sie geben deshalb Empfehlungen, die weitergehen. Deutlich weiter.

Nichts gegen die üblichen Empfehlungen, aber  sie gehen oft einfach nicht weit genug, sagt das Forscherteam von der Universität Lund zusammen mit Kollegen aus dem  kanadischen  British Columbia in der aktuellen Studie mit dem Titel: „Die Klimaschutz-Lücke: Umwelterziehung und Regierungsempfehlungen verschweigen die effektivsten individuellen Maßnahmen“. Was dann kommt, ist starker Tobak: Seth Wynes, einer der Autoren der Studie, kritisiert das angeblich weit verbreitete Klimaschutz-Kleinklein. "Der Fokus liegt ja mehr auf moderaten Verhaltensänderungen, wie zum Beispiel Stromsparen durch Licht ausmachen", sagt er. "Man soll Elektrogeräte nicht im Standby lassen. Ein Leben ohne Auto, das würde etwas bringen, doch die Empfehlung lautet, auf den Reifendruck zu achten, um den Benzinverbrauch zu senken. Hier werden Chancen verpasst, um wirklich etwas gegen den Klimawandel zu tun."

Nach den Berechnungen der Wissenschaftler müsste der CO2-Ausstoß weltweit pro Kopf und Jahr bis 2050 um zwei Tonnen sinken, damit sich die Erdatmosphäre nicht gefährlich erwärmt. Zur Einordnung: Amerikaner produzieren heute im Durchschnitt 16 Tonnen Kohlendioxid jährlich, Deutsche immer noch neun. Minus zwei - da wird schnell klar: Ein paar ausgeschaltete Lampen oder schön stramm aufgepumpte Reifen sind nicht genug.

Weniger Nachkommen = weniger CO2

Wynes Forderungen gehen deshalb weiter, deutlich weiter: "Diese vier Maßnahmen hätten echten Einfluss auf die Reduzierung der CO2-Emission: Vegetarische Ernährung, Verzichts aufs Auto, Flugreisen meiden und - ein Kind weniger." Vor allem dieser Teil der Formel - „weniger Kinder, besseres Klima“ - provoziert. Er lässt sich in den Augen der Wissenschaftler aber mit Zahlen untermauern. Fleischfreie Ernährung spart danach 0,8 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr, der Verzicht auf Flugreisen etwa 1,6 Tonnen, der aufs Auto 2,4 Tonnen. Und jetzt kommt’s: Jedes nicht geborene Kind „bringt“ nach der Rechnung ein CO2-Minus von 58,6 Tonnen für jedes Lebensjahr des Nicht-Vaters oder der Nicht-Mutter.

Dieser Zahl liegt die hochgerechnete Summe aller von einem Kind und seinen Nachkommen verursachten Emissionen zugrunde, geteilt durch Zwei. Die Forscher geben zu, dass vor allem die Entscheidung für oder gegen Kinder eine „zutiefst persönliche“ sei. Man könne aber nicht die Auswirkungen unterschiedlicher Lebensweisen auf das Klima ignorieren, wird Seth Wynes zitiert. Er selbst hat nach eigenen Angaben übrigens noch kein Kind und dabei bleibt es womöglich. Er werde die Sache mit seiner Verlobten besprechen - und auch wenn es andere Entscheidungsfaktoren für oder gegen Nachwuchs gebe, beide sorgten sich sehr um das globale Klima. Fragt sich nur, was das fürs Beziehungsklima bedeutet.

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