Mädchen zieht vor zerstörten Häuser in Ghouta, Damaskus einen mit Wasserbehältern gefüllten Wagen (21.08.2017)
Mädchen im Stadtteil Ghouta in Damaskus (21.08.2017) Bild © picture-alliance/dpa

Die Union will laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland noch in diesem Jahr eine Rückführung syrischer Flüchtlinge ab 2018 beschließen. Teile des Landes sollen als sicher ausgewiesen werden. Entspricht das der Realität?

Gebäudetrümmer, dicke Staubwolken in der Luft, ein Helfer, der ein verletztes Mädchen in Sicherheit bringt: Amateuraufnahmen zeigen die Szene nach einem Luftangriff auf Arbeen vor ein paar Tagen. Arbeen liegt in der Region Ost-Ghouta, direkt vor den Toren von Damaskus. Seit 2013 wird Ost-Ghouta von Regierungskräften belagert. Etwa 350.000 bis 400.000 Menschen leben dort.

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RND: Union will Rückführung syrischer Flüchtlinge ab 2018 beschließen

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Mittlerweile sei die Lage in der Enklave zu einem "Alptraum" geworden, sagt Bettina Lüscher vom Welternährungsprogramm: "Als unsere Kollegen diesen Monat das belagerte Ost-Ghouta besuchten, wurde ihnen berichtet, dass die Menschen dort jetzt das essen, was sie im Müll finden. Oder Tierfutter. Oder auch gar nichts. Menschen betteln auf den Straßen. Kinder sind so schwach, dass sie im Schulunterricht ohnmächtig werden."

Wo nicht gekämpft wird, sind Menschen sicher

In der vergangenen Woche waren die Luftangriffe besonders massiv. Offenbar will die Regierung den Widerstand in Ost-Ghouta nun endlich brechen. Dank der Geländegewinne, die Regierungskräfte während der vergangenen zwei Jahre machen konnten, kontrolliert Präsident Baschar al-Assad nun wieder etwa 55 Prozent des Landes, so das Omran Center für strategische Studien; dazu gehören alle wichtigen Städte. 45 Prozent seien in der Hand von Kurden, Rebellengruppen und dem IS. Klar: Dort, wo derzeit nicht gekämpft wird, sind die Menschen sicher.

In einem neuen Bericht stellen die Vereinten Nationen dennoch fest: "Trotz des Rückgangs des Niveaus der Feindseligkeiten in bestimmten Teilen des Landes - vor allem wegen einiger Übereinkommen zur Deeskalation und wegen des Rückgangs der Zahl von Belagerungen -, ist das Leben zahlloser Zivilisten durch anhaltende oder zunehmende Gewalt in anderen Landesteilen bestimmt."

UNO: Sichere Rückkehr vielerorts nicht möglich

Mehr als jeder zweite Syrer ist derzeit auf der Flucht, das sind 12,6 Millionen Menschen, so die Vereinten Nationen. Mehr als sechs Millionen davon sind Binnenflüchtlinge, 5,5 Millionen haben das Land verlassen. Und mehr als 13 Millionen Menschen in Syrien benötigen derzeit humanitäre Hilfe. Bettina Lüscher vom Welternährungsprogramm: "Die Menschen leiden so sehr - sie wissen einfach nicht mehr, wie es weitergehen soll", sagt Bettina Lüscher vom Welternährungsprogramm. "Wir haben jetzt innerhalb Syriens zehn Millionen Menschen, die nicht genug zu essen haben, und ihr tägliches Leben ist die Hölle."

Rauchwolken über Ghouta
Rauchwolken über Ghouta: Dieses von der regierungskritischen, syrischen Aktivistengruppe Ghouta Media Center zur Verfügung gestellte Foto wurde in seiner Authentizität durch AP-Berichte bestätigt (Aufnahme vom 17.11.2017). Bild © picture-alliance/dpa

Eine Karte der Vereinten Nationen zeigt die Flüchtlingsbewegungen im Land im ersten Dreivierteljahr - Pfeile zeigen in alle Richtungen, denn wann immer eine bestimmte Region zu unsicher wird, suchen Menschen andernorts Schutz. Im September zählten die Vereinten Nationen deshalb 265.000 solcher Flüchtlingsbewegungen innerhalb Syriens - ein starker Anstieg im Vergleich zum Vormonat und zum September vor einem Jahr. Bisher seien in diesem Jahr 721.000 Menschen in ihren Heimatort zurückgekehrt. Verglichen mit dem Vorjahr sei das ein leichter Anstieg, so die Vereinten Nationen, aber: "Die allgemeinen Bedingungen für eine sichere und dauerhafte Rückkehr gibt es in vielen Teilen des Landes noch nicht."

Sendung: hr-iNFO, 29.11.2017, 13:10 Uhr

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