Kindersoldaten im Sudan
Ein ehemaliger Kindersoldat bei einer Feier anlässlich seiner Freilassung im Südsudan Bild © picture-alliance/dpa

Sie werden zwangsrekrutiert oder haben sich den Kämpfern im Chaos des Bürgerkriegs freiwillig angeschlossen: Etwa 19.000 Kindersoldaten gibt es im Südsudan, 300.000 sollen es weltweit sein. Die wenigen, die zurückkommen, sind stark traumatisiert.

Im südsudanesischen Yambio vor wenigen Tagen: Im Gleichschritt marschieren Jugendliche mit ihren Schusswaffen auf einem Platz. Ab heute sind sie keine Kindersoldaten mehr. Einer von ihnen ist Alfred Barakat, schätzungsweise 15 Jahre alt. Er habe sich freiwillig den Rebellen angeschlossen, drei Tage lang sei er gelaufen, um ihr Lager zu erreichen. Die Rebellen hätten gefragt, was er wolle. Seine Antwort: "Ich bin hier, um zu arbeiten."

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Internationaler Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten

Mit dem Gedenktag wird jährlich am 12. Februar an das Schicksal von Kindern erinnert, die zum Kampfeinsatz in Kriegen und bewaffneten Konflikten gezwungen werden. Ziel des Tages ist der Aufruf zu einem verstärkten Einsatz im Kampf gegen diese besonders schwerwiegende Form des Kindesmissbrauchs.

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Die Zeremonie in Yambio am vergangenen Mittwoch war der feierliche Höhepunkt einer Resozialisierungsaktion, die von der UN-Mission im Südsudan betreut wurde. Neben Alfred konnten 310 weitere Kindersoldaten endlich zu ihren Familien zurückkehren. Sie brauchen auch weiterhin psychosoziale Unterstützung, denn im Dienst ihrer Miliz mussten sie womöglich töten und plündern.

Ein Drittel sind Mädchen

Ein Drittel dieser Kindersoldaten sind Mädchen, von denen etliche in Rebellenlagern sexuell missbraucht wurden. Oder sie haben andere traumatisierende Dinge erlebt, wie zum Beispiel Christopher, der von einer Miliz verschleppt wurde, als er zehn war. Seine Mutter folgte ihrem Sohn verzweifelt bis ins Camp. Die Rebellen befahlen ihm, sie zu erschießen. Doch die Waffe hatte eine Ladehemmung, die Mutter konnte fliehen.

Bei der Zeremonie der UN tauschten Christopher und die anderen Kindersoldaten in Yambio die Uniform gegen zivile Kleidung ein und legen feierlich die Waffen ab. Seine Familie habe ihm vergeben, sagt Christopher leise. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen gehören im Südsudan rund 19.000 Kinder bewaffneten Gruppen an. Sie wurden zwangsrekrutiert oder haben sich im Chaos des Bürgerkriegs den Gruppen freiwillig angeschlossen.

Kinder kämpfen auf allen Seiten

Im Jemen wurden nach UN-Angaben mindestens 1.700 Kindersoldaten durch die Kriegsparteien rekrutiert, vor allem durch die schiitischen Huthi-Milizen. Auf deren Kundgebungen wie jüngst in der Hauptstadt Sanaa werden die Minderjährigen als Helden im Kampf gegen den Feind gepriesen.

In Syrien und Irak sind es seit Jahren die Dschihadisten vom sogenannten "Islamischen Staat", die Minderjährige zum bewaffneten Kampf ausbilden. Aber auch ihre Gegner missbrauchen Kinder. In den vergangenen Jahren tauchten in irakischen Städten Plakate schiitischer Milizen auf, mit denen gezielt Halbwüchsige Jungen angeworben wurden. Man schickte sie nach Syrien, damit sie dort auf der Seite der Assad-Truppen kämpfen.

Der 14-jährige Bakkar aus dem syrischen Raqqa erzählt, wie es ihm erging, nachdem ihn Kämpfer der kurdischen Volksverteidigungseinheiten verschleppten und zum Kindersoldaten ausbildeten. Die Milizionäre hätten ihn geschlagen, er habe oft geweint, wie auch seine ebenfalls minderjährigen Kameraden. Als einer von ihnen mitten in der Nacht einmal aufwachte und schrie, hätten die Kommandeure ihn verprügelt. "Du bist jetzt Soldat", sagten sie, "und bleibst hier, bis deine Dienstzeit vorbei ist."

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Sendung: hr-iNFO, 12.2.18, 7:10 Uhr

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