Steuern und deren Prüfung.
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Der Staat vermeldet Rekordüberschüsse für die nächsten Jahre. Deshalb fordern Kritiker: Runter mit den Steuern. Wie hoch ist die Last für Steuerzahler? Ein Beispiel.

Matthias Haupt ist aus Mühlheim und arbeitet in Frankfurt bei einem Verband. Als Spitzenverdiener wie prominente Fußballstars oder Top-Manager fühlt sich alleinstehende Angestellte längst nicht. Steuerlich gilt für den 56-Jährigen allerdings: Er verdient über 54.000 Euro im Jahr, deshalb fällt der Spitzensteuersatz von 42 Prozent an.

Wenn Matthias Haupt sich seinen Steuerbescheid ansieht muss er jedes Mal erst einmal schlucken ungerecht findet er ihn aber nicht, denn: "Auf der anderen Seite wissen wir alle, wir wollen funktionierende Autobahnen haben, wir wollen ein öffentliches Gesundheitssystem haben, Schulen, Universitäten, Es soll in Forschung und Entwicklung investiert werden, wir wollen einen funktionierenden Sicherheitsapparat, all das muss bezahlt werden und das Geld muss irgendwo herkommen."

Von jedem verdienten Euro bleibt etwa die Hälfte übrig

Rechnet man den Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer obendrauf, bleibt Matthias Haupt von jedem verdienten Euro nur noch etwa die Hälfte übrig, rechnet Steuerberater Dieter Gonze vor. Das macht jede Gehaltserhöhung deutlich unattraktiver: "Von 100 Euro zahlt er dann 48 Prozent Steuern."

Trotzdem bleibt ihm noch genug in der Tasche, um seine Ausgaben im Alltag zu bestreiten, erzählt Matthias Haupt. Auch die Miete für seine Wohnung kann er locker bezahlen - heute genau wie früher.

Staat verdient an steigenden Einkommen immer mehr mit

Die Preise sind zwar in den letzten Jahren in der Tendenz gestiegen, aber das wurde durch Gehaltserhöhungen in der Regel ausgeglichen, erzählt Martin Beznoska vom arbeitgebernahen Institut für Wirtschaft in Köln. Doch genau das ist für ihn auch ein Problem, denn an der Einkommenssteuer wurde seitdem kaum etwas verändert: "In den letzten zwölf Jahren wurde der Tarif wenig angepasst und so rutscht man Stück für Stück in den Spitzensteuersatz rein."

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Das heißt: Der Staat verdient an den steigenden Einkommen immer mehr mit. Zusätzlich dazu wurden andere Steuern erhöht - vor allem die Mehrwertsteuer 2007 von 16 auf 19 Prozent.

Forderungen nach Steuererleichterungen

Angesichts der sprudelnden Steuereinnahmen des Staates werden immer mehr Stimmen laut, die fordern: Es sollen Steuererleichterungen her. Zum Beispiel könnte der Spitzensteuersatz erst bei einem Einkommen ab 70.000 oder 80.000 Euro anfallen. Matthias Haupt, der selbst den Spitzensteuersatz zahlt, würde dagegen vor allem die niedrigeren Einkommen entlasten und am Spitzensteuersatz selbst nicht rütteln: "Ich werde nur sauer, wenn ich sehe, dass sich Leute in Steueroasen flüchten können. Dass kriminelle Geschäfte getätigt werden, das ärgert mich, aber wenn alle ihren Beitrag leisten, ist es okay, wenn die Starken noch ein bisschen mehr bezahlen."

Kommentar: Steuerpläne der Union sind pure Heuchelei (tagesschau.de)

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