IP-Adresse
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Webseitenbetreiber dürfen IP-Adressen ihrer Seitenbesucher speichern, wenn es für die Abwehr von Cyberangriffen erforderlich ist. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Die IP-Adresse ist so etwas wie unsere Postanschrift im Internet. Was können Webseitenbetreiber so über uns herausfinden?

Sie kennen das: Kaum googelt man nach einem neuen Haushaltsgerät, schon werden einem passende Anzeigen zum Beispiel auf Facebook, Amazon oder eBay angezeigt. Unser Nutzungsverhalten scheint also irgendwie erfasst zu werden. Der Hauptgrund: die Werbewirtschaft. Wofür interessieren sich Nutzer? Wofür nicht?

In Deutschland dürfen IP-Adressen nicht zum sogenannten User-Tracking genutzt werden, also zum Erfassen und Analysieren vom Surf-Verhalten. Ob sich die Seitenanbieter daran halten? Holger Bleich vom Computer-Fachmagazin CT ist skeptisch: "Es findet in Deutschland massenhaft statt. Also die Tools gibt es zur Genüge.“

"Man will wissen: Wofür interessiert sich ein Nutzer, wo haut er ab?"

Ein solches, sehr weit verbreitetes Tool sei Google Analytics von Google selbst. Davon gebe es eine internationale Version, die jede Form von IP-Adressen gnadenlos abspeichere. „Denn darum geht es eigentlich. Man will wissen: Zwischen welchen Seiten springt ein Nutzer hin und her? Wofür interessiert er sich? Wie lange bleibt er auf einer Webseite, bevor er weiterspringt? Wo haut er vielleicht ab und über welche anderen Webseiten kommt er rein? Das ist das, was man über die Speicherung der IP-Adresse gerne rausfinden möchte“, erklärt Bleich.

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Noch viel interessanter für die Unternehmen wäre zu wissen, wer eigentlich genau hinter den IP-Adressen steckt. Das können und dürfen sie so leicht nicht herausfinden. Es sei denn, die Nutzer loggen sich bewusst ein. Bei einem Sozialen Netzwerk zum Beispiel. Oder auf einer Shopping-Plattform. Den Unternehmen wäre es ein Leichtes, die IP-Adressen den Nutzern zuzuordnen. Dass sie das in keinem Fall tun, behaupten alle. Das zu überprüfen ist allerdings quasi unmöglich.

IP-Adressen nur eine von vielen Möglichkeiten

Das Auswerten von IP-Adressen ist nur eine von vielen Möglichkeiten – sogar mittlerweile die primitivste, sagt Bleich. "Es gibt wesentlich ausgefeiltere Methoden. Die gängigste Methode sind Cookies, das heißt: Es werden Ihnen kleine Dateien im Rechner platziert, im Web-Browser. Und jedes Mal, wenn Sie eine Webseite besuchen, werden Sie wiedererkannt anhand einer eindeutigen ID, einer Kennung, einer Nummer.“

Das Wiedererkennen ist also entscheidend. Nur so lassen sich eindeutige Profile der Nutzer erstellen. Solche Profile mit detaillierten Nutzungsverhalten sind viel Geld wert. IP-Adressen werden allerdings meistens bei jedem Einloggen neu vergeben. Außerdem sind sie wie auch Cookies nur jeweils einem Gerät zugeordnet. Heutzutage haben die Menschen in der Regel gleich mehrere Geräte. Computer, Smartphones, Tablets, Fernseher … Mit IP-Adressen allein kommen die Unternehmen also nicht weit.

Soziale Netzwerke spielen eine große Rolle

Es gibt inzwischen noch ganz andere Möglichkeiten. Und hier spielen Soziale Netzwerke eine große Rolle. Firmen, denen wir ganz freiwillig eine Menge über uns mitteilen. "Ganz perfide wird’s, wenn Webseiten oder Netzwerke versuchen, Sie da zu kriegen, wo Sie gar nicht dran denken", sagt Bleich. Ein gutes Beispiel seien die sogennanten Social-Plugins von Facebook. Auch wenn man sich  außerhalb von Facebook bewege, werde man von Facebook erkannt.

"Wenn Sie auf einer Webseite oder in einem Blog einen Text gelesen haben und Sie können da auf ‚Like‘ klicken oder auf einen Teilen-Button, dann weiß Faceboook auch: 'Aha, dafür interessiert er sich also auch!‘ Und mittlerweile kann Facebook das auch mit Nicht-Mitgliedern ganz gut machen, sodass Facebook auch sehr viel über Menschen weiß, die überhaupt nicht auf Facebook registriert sind.“

Dienstleistungen, die Tracking erschweren

Das klingt unheimlich. Manche Unternehmen bieten deshalb Dienstleistungen an, die das Tracking erschweren. Die kosten in der Regel Geld, und am Ende muss man auch diesen vertrauen. Irgendwer hat unsere Daten schließlich immer. Um sich dagegen zu schützen, gibt es eine Lösung: Kein Internet mehr. Aber seien wir ehrlich. Das wollen die wenigsten von uns.

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