Kondome mit der Aufschrift "Lümmeltüten"
Bild © picture-alliance/dpa

Viele Jugendliche sind schlecht informiert, wenn's um den Schutz vor sexuell ansteckenden Krankheiten geht. Deshalb versucht es der Verein "Jugend gegen AIDS" jetzt mit Aufklärung der etwas anderen Art ...

"Beim Überziehen hältst Du das Reservoir zu, damit keine Luft drin ist und Du nachher genug Platz zum Abspritzen hast": Mit provokant-direkter Sprache vermittelt das durch seinen YouTube-Kanal vor allem bei Jugendlichen bekannte Musik- und Comedy-Duo "Die Lochis" im Internet-Livestream eine klare Botschaft: Schütz' Dich vor HIV! Ein Foto der Zwillingsbrüder ziert zudem derzeit Plakate des Vereins "Jugend gegen Aids", mit denen Jugendliche animiert werden sollen, beim Sex Kondome zu benutzen.

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Mehr Aufklärung scheint bei der jungen Generation dringend nötig. Das ergibt sich zumindest aus den jetzt in Genf vorgestellten Ergebnissen einer Umfrage der Initiative. Dazu wurden mehr als 6.000 jugendliche Nutzer einer Dating-App aus sieben europäischen Ländern rund um das Thema Sex und Gesundheit befragt: 'Wie steckt man sich mit HIV an?', wollten die Macher etwa wissen, oder: 'Schützt das Kondom vor sexuell übertragbaren Krankheiten?'

Zwölf Prozent beziehen Wissen aus Pornos

Die Umfrage, die allerdings keine repräsentative, wissenschaftlich durchgeführte Studie ist, ergab: die meisten Jugendlichen fühlen sich umfassend aufgeklärt. Doch beispielsweise nur jeder Vierte der deutschen Teilnehmer der konnte die Fragen zu Sex und Gesundheit richtig beantworten. Das mangelnde Wissen schlägt sich im Verhalten nieder. Knapp ein Drittel der befragten Deutschen gab an, immer wieder auf's Kondom zu verzichten und damit zu riskieren, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV anzustecken.

Anna Konopka
Anna Konopka, "Jugend gegen AIDS" Bild © ARD

Anna Konopka von "Jugend gegen Aids" wundert sich nicht über die Wissenslücken. Laut der Umfrage informieren sich viele Jugendliche bei wenig zuverlässigen Quellen: "Über zwölf Prozent beziehen ihr Wissen aus Pornos. Und oft ist es auch der Austausch innerhalb eines Freundeskreises. Und da stellt sich halt die Frage: Wo beginnt gefährliches Halbwissen und wo hört es auf."

"Der Flyer vorm Supermarkt bringt nichts"

Daniel Nagel, der Vorsitzende von "Jugend gegen Aids", fordert, es müsse wieder stärker öffentlich thematisiert werden, wie man sich vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten schützen kann. Die Botschaften müssten vor allem richtig adressiert werden, damit sie auch bei jungen Menschen ankommen: "Sich mit einem Flyer vor den Supermarkt zu stellen und mit Leuten ins Gespräch kommen zu wollen, bringt nicht so viel. Man muss schon Teil der jugendlichen Realität sein, um auch als relevanter Ansprechpartner zu dienen - und eben auch authentisch sein in der Kommunikation."

Nagel
Daniel Nagel, Vorsitzender "Jugend gegen AIDS" Bild © ARD

Deshalb setzt die vor acht Jahren von Schülern in Hamburg gegründete Initiative "Jugend gegen Aids" auf Aufklärung direkt in Schulklassen und vor allem auch in sozialen Medien. Internetstars, wie "Die Lochis", benutzt man bewusst als Türöffner: "Diese Kampagne hat ja den Zweck, Leute anzusprechen. Sie ist provokant und vor allem ehrlich und das ist besonders wichtig", so die beiden Brüder.

Sendung: hr-iNFO, 1.12.2017, 12:10 Uhr

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