Alkohol in der Schwangerschaft
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Jedes Jahr kommen in Deutschland mehr als 10.000 Babys zur Welt, die darunter leiden, weil ihre Mütter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken haben. Nach der Geburt sind die Eltern dann oft überfordert. Die Konsequenz: die Kinder müssen in einer Pflegefamilie untergerbacht werden. Für beide - Pflegeeltern wie betroffenem Kind - keine leichte Aufgabe.

Der Junge ist acht Jahre alt. Und er kann in einfachen Worten sagen, warum er anders ist als andere Kinder. „Weil ich im Bauch meiner Mama war und sie hat Alkohol getrunken.“ Diana Schmack ist die Pflegemutter des Jungen. Sie hat ihn mit ihrem Mann aufgenommen, da war der Junge gerade mal vier Wochen alt. Und da wusste sie noch nicht, dass er unter FAS leidet – dem Fetalen Alkoholsyndrom. „Das wurde nach Verhaltensstörungen, die keiner erklären konnte von uns angeregt, dass FAS eine mögliche Diagnose ist. Daraufhin haben wir auf FAS untersuchen lassen und haben das dann auch diagnostiziert bekommen.“

Diagnose FAS - Fetales Alkoholsyndrom

Dass er etwas anders war als die meisten anderen Kinder, das haben Diana Schmack und ihr Mann von Anfang an gemerkt, stand er doch zur Geburt offenbar unter Alkoholeinfluss. Zumal sein kleiner Körper den Alkohol, den seine Mutter getrunken hatte, nicht so schnell abbauen konnte.


„Ein Schreibaby, laut Arzt auf Entzug. Als er zu uns kam hat er schon immer ein extrem unterschiedliches Verhalten gezeigt, sehr ambivalent. Er konnte sich keine Regeln merken, konnte sich an keine Strukturen halten. Abschied im Kindergarten ging nicht, er wollte nicht von uns getrennt werden und hat sich selbst verletzt.“
Auch seine Familiengeschichte deutete darauf hin, erzählt Diana Schmack.

Zitat
„Dann werden Tische umgeschmissen, Stühle um getreten, mal der Mittelfinger gezeigt.  Im Großen und Ganzen sind diese Kinder eigentlich so, dass jemand, der die Krankheit nicht erkennt oder nicht anerkennen möchte sagt, „na das Kind müsste mal erzogen werden.“ Zitat von Diana Schmack, Pflegemutter eines 8jährigen mit FAS
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Inzwischen sind seine Probleme in der Schule so massiv, dass er umgeschult werden muss. Denn weder von seiner Entwicklung noch von seinem Verhalten schafft er die Regelschule. Er selbst sagt: „Alle beleidigen mich.“ Doch auf die Frage, was er dann tut, kommt er schnell an die Wurzel seines Problems: „Ausrasten. Tische und Stühle umschmeißen. Sonst nix.“ Diana Schmack bestätigt, dass größte Problem ist sein soziales Verhalten, denn Tests haben ergeben, dass es nicht an der Intelligenz mangelt: „Dann werden Tische umgeschmissen, Stühle um getreten, mal der Mittelfinger gezeigt.  Im Großen und Ganzen sind diese Kinder eigentlich so, dass jemand, der die Krankheit nicht erkennt oder nicht anerkennen möchte sagt, „na das Kind müsste mal erzogen werden“.“

Seine Sozialkompetenz wurde durch den Alkohol zerstört

In der neuen Schule gibt es ausgebildete Förderlehrer und die Lerngruppen sind kleiner. Dazu bekommt er noch einen Teilhabe-Assistenten. „Das ist jemand, der darauf spezialisiert ist, Kinder durch den Schulalltag zu begleiten, auch in der Pause sicherzustellen, dass es zu keinen Vorfällen kommt, zu Veranstaltungen zu begleiten und einfach den Lehrer zu entlasten. Gerade, wenn solche Spitzen zutage kommen, einfach mal mit dem Kind den Raum zu verlassen und eine Runde Fußball zu spielen, bis die Kinder wieder ein bisschen ruhiger sind und wieder am Unterricht teilnehmen können,“ erklärt Diana Schmack.

Leider wird der Junge die Sozialkompetenz nicht mehr lernen, die in seinem Gehirn angelegt sein müsste, aber durch den Alkohol zerstört wurde. Was also tun, um ihm zu helfen, damit umgehen zu lernen? „Viel Geduld, viel Liebe, versuchen, das Umfeld zu informieren, offen sein und hoffen, dass es Menschen gibt, die ein Herz für so ein Kind haben. Die einfach dabei sind und einen unterstützen. Also im Prinzip können wir nur hoffen, dass er irgendwann durch das gute Vorbild und die konstante Arbeit lernen kann, es so in den Griff zu bekommen, aber das sehen wir erst, wenn es soweit ist. “
Der Junge selbst kann nur sagen, dass er es schlecht findet, seine alte Schule zu verlassen, „weil da meine besten Freunde sind und weil da mein Lieblingsort ist.“

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