Flüchtling Osama
Syrischer Flüchtling Osama Mohsen in Spanien Bild © ARD

Ein syrischer Flüchtling liegt am Boden, hält sein Kind im Arm. Dieses Bild aus Ungarn ging vor zwei Jahren um die Welt. Doch die Geschichte nahm eine gute Wendung: Der Flüchtling hatte in seiner Heimat als Fußballtrainer gearbeitet – eine spanische Fußballschule holte ihn zu sich und gab ihm einen Job. Wie sieht sein Leben heute aus?

Osama Mohsen geht nicht an sein Telefon. Bei WhatsApp war er seit Monaten nicht angemeldet. Eines der letzten Interviews gab der Syrer im Frühjahr dem spanischen Journalisten Miguel Gutierrez. Seitdem hat er auch keinen Kontakt mehr zu Osama Mohsen. „Er war hier ein Jahr lang Fußballtrainer. Aber er lernte kein Spanisch, sein Vertrag wurde nicht verlängert.“

Vom Flüchtling zum Fußballtrainer

Dabei sah im Herbst 2015 noch alles so vielversprechend aus. Die Vereinigung der spanischen Fußballtrainer wurde auf den berühmten Videoclip aufmerksam: Wie Mohsen als Flüchtling auf der Balkanroute unterwegs war, eine ungarische Kamerafrau ihm ein Bein stellte und er zu Boden fiel. Im Arm sein kleiner Sohn.

Der Verband erfuhr, dass der Syrer Fußballteams in seiner Heimat trainiert hatte – und holte ihn kurzentschlossen zu sich. Osama Mohsen konnte sein Glück damals kaum fassen - dass Bilder über sein Schicksal entscheiden. „Das hat mein Leben verändert. Vielleicht war es der Wille Gottes", sagte er. "Ein Traum ist Wirklichkeit geworden, ich bin in Spanien. Das macht mich sehr glücklich.“

Ein Treffen mit Ronaldo

Der Trainerverband organisierte für Mohsen und seine zwei Söhne eine Wohnung im Süden von Madrid. Eine heile Welt, weit weg vom Chaos in Syrien. Sohn Zaid traf wenig später Fußballstar Ronaldo von Real Madrid – das Glück schien perfekt.

Doch dann begannen die Probleme. Mohsens Ehefrau und seine Töchter hingen noch in der Türkei fest, ihnen fehlten Papiere. Und Miguel Angel Galán, der Chef des spanischen Trainerverbandes, war mit Vorwürfen der Behörden konfrontiert. „Mir wurde mitgeteilt, dass ich ein Delikt begangen habe, weil ich Osama illegal und ohne Pass nach Spanien gebracht hatte", erzählt Galàn. "Es ist dann aber zum Glück nicht zu einem Verfahren gekommen.“

Doch der Verbandspräsident blieb in der Kritik. Die Anschuldigung: Er habe Osama Mohsen nur deshalb nach Spanien geholt, weil er gute PR gebraucht habe. Denn Galán wollte weiter nach oben, als Präsident des spanischen Fußballverbandes kandidieren, erklärt der Journalist Miguel Gutierrez. „Das machte nach außen ein gutes Bild: In einem Land, das kaum Flüchtlinge aufnimmt, zu sagen: ‚Ich habe eine Trainerschule und nehme einen syrischen Flüchtling zu mir.' Dazu noch den berühmten Flüchtling, den die Journalistin zu Fall gebracht hatte. Daher hat Galán davon schon profitiert.“

Wo ist Osama jetzt?

Galán kandidierte schließlich doch nicht für den Vorsitz des spanischen Fußballverbandes. Und als das klar war, verlängerte er auch nicht mehr Osamas Mohsens Trainervertrag. Er habe sich nicht gut genug integriert, hieß es. Journalist Gutierrez bezweifelt, dass der Syrer jetzt noch in Spanien ist.

Bei ihrem letzten Treffen sagte ihm der Syrer: Er habe Flugtickets für sich und seinen Sohn Zaid nach Griechenland gekauft. One Way. „Vielleicht sucht er von dort aus seine Familie, seine Frau, seine Tochter, die ja in der Türkei waren", sagt Gutierrez. "Aber wir wissen bis heute nicht, wo er genau ist."

Osama Mohsens Story hätte das Zeug gehabt, zur Flüchtlingsgeschichte mit gutem Ausgang, zum Lichtblick der Krise 2015. Doch Inszenierungen und Machtspiele scheinen dieses Happy End kaputt gemacht zu haben.

Sendung: hr-iNFO, 08.09.2017, 12:35 Uhr

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