Hessens Krankenhäuser bieten Opfern von Gewalttaten spezielle Hilfsangebote.
Hessens Krankenhäuser bieten Opfern von Gewalttaten spezielle Hilfsangebote. Dem Weißen Ring ist das zu wenig. Bild © picture-alliance/dpa

Krankenhäuser müssen Anlaufstellen für Opfer von Gewaltverbrechen bereitstellen, fordert der frühere Chef des Weißen Rings Hessen, Horst Cerny, bei hr-iNFO. Kommunen, Kliniken und Therapeuten kooperieren jedoch heute schon, um Geschädigten zu helfen.

Dauert es zu lange bis traumatisierten Geschädigten geholfen wird? Das wirft Horst Cerny, der ehemalige Chef des Weißen Rings in Hessen, bei hr-iNFO der Politik vor. "Der Staat muss seine Bürger  vor Straftaten schützen", so Cerny. Opfern von Körperverletzung beispielsweise müsse in Krankenhäusern schneller geholfen werden. "In jedem Krankenhaus sollte es eine Anlaufstelle für Kriminalitätsopfer geben, in dem sie therapeutische Maßnahmen erfahren können."

Wie wird Verbrechensopfern bisher zur Seite gestanden? Laut einer Sprecherin der Hessischen Krankenhausgesellschaft müssten traumatisierte Patienten normalerweise einen Umweg über die Sozialstationen gehen. In diesen Abteilungen der Krankenhäuser vermitteln ihnen Sozialarbeiter Kontakte zu Psychologen und geben eine Erstberatung.

Soforthilfe statt monatelanges Warten

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zum Artikel Was tut der Staat, damit Menschen nicht zu Opfern werden?

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Doch in Hessens Kliniken gibt es bereits verschiedene Modelle, um Opfern von bestimmten Gewaltverbrechen schneller zu helfen. Beispiel Sexualstraftaten: Hessen ist neben Baden-Württemberg das bisher einzige Bundesland, in dem das Modell "Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung" angewandt wird. Das Projekt der Beratungsstelle Frauennotruf in Frankfurt vernetzt Krankenhäuser, niedergelassene Arztpraxen und Verwaltungen. Betroffene sollen so schneller mit Medizinern in Kontakt kommen, die Erfahrungen mit Vergewaltigungsfällen haben. Zudem sollen die Geschädigten unterstützt werden, den Täter bei der Polizei anzuzeigen.

Ein großes Problem für Gewaltopfer sind oft Wartezeiten von bis zu neun Monaten bis sie einen Termin bei einem Therapeuten erhalten. Das seit 2015 existierende OEG-Trauma-Netzwerk soll das verhindern (OEG steht für Opferentschädigungsgesetz). 18 Kliniken und Hilfseinrichtungen gehören dem Verbund an. Laut dem zuständigen Regierungspräsidium Gießen erhält jeder, der in Hessen Gewalttätern zum Opfer fällt, in allen Einrichtungen des Netzwerks spätestens nach vier Wochen therapeutische Hilfe.

Ein Vorreiter in Hessen bei Kindesmissbrauchsfällen ist das Sana-Klinikum in Offenbach. Gibt es einen Verdacht, dass eingelieferte Kinder sexuelle Gewalt erlitten haben, wird dort wird ein sechsköpfiges Team aus Kinderärzten, Psychologen, Pflegekräften und Sozialarbeitern aktiv. Der Leiter des Expertenteams, Dr. Matthias Bollinger, sagte gegenüber der Offenbach Post, pro Jahr bestätigen sich zwei bis drei der Verdachtsfälle.

Sendung: hr-iNFO, 11.1.18, 9:40 Uhr

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