Nikolaus
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Wir beschenken uns gegenseitig mit Schokoladen-Nikoläusen, füllen Stiefel und manche von uns kleben sich auch einen weißen Rauschebart an. Ein schöner Brauch - aber was steckt eigentlich dahinter?

Den Heiligen Nikolaus, den gab’s wirklich. Schon seit mehr als 1.500 Jahren gibt es die Legenden über ihn. Vermutlich steckt dahinter der Bischof von Myra in Kleinasien. Das liegt in der heutigen Türkei, gleich in der Nähe von Antalya. Er wurde immer im roten Bischofsgewand dargestellt mit Bischofsmütze, also einer Mitra.

Patron der Schiffer

Dieser Bischof Nikolaus war ganz offenbar ein freigiebiger Mensch. Er ist Kind reicher Eltern. Beide sterben bei einer Pest-Epidemie. Nikolaus verschenkt sein ganzes Erbe an die Armen. Bald erzählt man sich wunderbare Geschichten über ihn. Er tut Gutes, heißt es, am liebsten heimlich: Er wirft nachts Goldklumpen durchs Fenster einer armen Familie und rettet die Töchter so vor einer Zwangsheirat. Oder er wirft seine milde Gabe durch den Kamin – und sie bleibt in den Socken hängen, die dort zum Trocknen aufgehängt wurden. Nikolaus wird zum Heiligen der Kinder. Die basteln ursprünglich kleine Schiffchen, in die er dann seine Gaben legt. Denn Nikolaus hat in einer Legende auch Bootsfahrer gerettet. So wurde er zum Patron der Schiffer. In vielen Hafenstädten findet man deshalb Nikolauskirchen.

Früher war der 6. Dezember der eigentliche Tag der Bescherung und der Geschenke für die Kinder. Bis Luther kam. Der bekämpfte ja bekanntlich die Heiligenverehrung. Stattdessen brachte jetzt das Christkind die Geschenke – am 24. Dezember. Jedenfalls in den evangelischen Familien. Katholiken übernahmen diesen Brauch erst um 1800.

Von Sinta Claas zu Father Christmas

Die reformierten Niederländer aber blieben bei ihrem Heiligen Nikolaus, dem Sinta Claas – und nahmen die Figur auch mit nach Amerika. Daraus wurde dann der Santa Claus und später Father Christmas, den Coca Cola für seine Werbung in den Unternehmensfarben rot-weiß einkleidete. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der nach Europa re-importiert, als der Weihnachtsmann.

Und wenn Sie heute so einen Schoko-Mann im Stiefel vorfinden, schauen Sie mal genau hin. Seit kirchliche Organisationen vor ein paar Jahren die Kampagne „Rettet den Nikolaus“ starteten, gibt es gelegentlich auch „echte“ Schoko-Nikoläuse – mit Bischofsstab und Bischofshut.

Sendung: hr-iNFO, 6.12.2017, 6:15 Uhr

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