An diesem Holztischchen hat die englische Schriftstellerin Jane Austen geschrieben.
An diesem Holztischchen hat die englische Schriftstellerin Jane Austen geschrieben. Bild © picture-alliance/dpa

Jane Austen wurde im frühen 19. Jahrhundert als "neue literarische Stimme" gefeiert. Wer diese neue Stimme allerdings war, das wussten nur die wenigsten. Vor 200 Jahren ist die Autorin gestorben.

"By a lady" – "Von einer Dame" – Das stand als Autorenangabe auf dem Roman "Sense and Sensibility", als er im Jahr 1811 veröffentlicht wurde. Dass "diese neue literarische Stimme" recht "vergnüglich zu lesen ist" sprach sich zwar schnell herum im England des frühen 19. Jahrhunderts; wer aber diese Stimme war, das wussten damals nur die Wenigsten. Heute ist das kaum noch vorstellbar - war und ist Jane Austen doch eine der bedeutendsten britischen Autorinnen.

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Der Holzschnitt zeigt die britische Schriftstellerin Jane Austen

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Und fleißig noch dazu. „Die Feder muss übers Papier geflogen sein, weil sie das alles schon im Kopf hatte und genau wusste, was sie schreiben möchte“, sagt Barbara Schaff, Professorin am Institut für Anglistische Literaturwissenschaft der Georg-August-Universität Göttingen.

Heiraten, um finanziell abgesichert zu sein

Geboren am 16. Dezember 1775 im Dorf Steventon in der südenglischen Grafschaft Hampshire lebte Jane als siebtes von acht Kindern in einer Zeit, in der es für Frauen noch nicht viele Möglichkeiten gab. So war es für sie üblicherweise das oberste Ziel zu heiraten. Nicht aber etwa, weil man die große Liebe suchte, sondern schlicht um finanziell abgesichert zu sein. Romane schreiben – das war für eine Frau zu dieser Zeit nahezu undenkbar!

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Jane Austen aber tat das eine und das andere bewusst nicht – und zahlte dafür einen entsprechend hohen Preis. Vor 200 Jahren, am 18. Juli 1817 starb die Autorin. Für die Nachwelt hat Austen ein spannendes Werk hinterlassen. Dazu gehört, dass sie mit ihren Beobachtungen und feinsten Beschreibungen ein vielschichtiges Gesellschaftsbild der damaligen Zeit gezeichnet hat.

Messerscharfer Blick auf soziale Verhältnisse

"Was mich interessiert und fasziniert ist ihr messerscharfer, glasklarer und harter Blick auf die sozialen Verhältnisse, vor allem die sozialen Bedingungen für Frauen. Also diese Jagd nach dem Ehemann war ja kein Spaß, das war ja existentiell notwendig", sagt Austen-Expertin Barbara Schaff. Zum Vermächtnis von Jane Austen gehört aber auch, dass sie eine neue, für uns heute völlig selbstverständliche Schreibtechnik erfunden hat: die erlebte Rede oder die freie indirekte Rede.

Ölgemälde Jane Austen Haus
Das Öl-Gemälde aus dem 19. Jahrhundert zeigt das Chawton House in dem die britische Schriftstellerin Jane Austen lebte. Bild © picture-alliance/dpa

Eine Technik, über die wir heute nicht mehr nachdenken, aber wir sollten wissen, dass Jane Austen sie erfunden hat, sagt Schaff. "Der Leser oder die Leserin kann gar nicht mehr zwischen der Stimme der Erzählfigur und der Romanfigur unterscheiden. Und damit erleben wir als Leser die Figuren ganz unmittelbar. Wir tauchen quasi in ihr Bewusstsein ein."

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