In den Niederlanden werden massenweise Eier vernichtet.
Bild © picture-alliance/dpa

Wo viele Tiere nah beieinander leben, sind Krankheiten oder Parasitenbefall fast programmiert. Um diese zu bekämpfen, müssen Betriebe die Ställe reinigen und desinfizieren. In den Niederlanden hat das jetzt einen Lebensmittelskandal ausgelöst.

Was ist Fipronil?

Fipronil ist ein sogenanntes "Breitspektrum-Insektizid" und Biozid. Es wurde in den 1980er-Jahren in Frankreich entwickelt, seit 2003 hält BASF die Rechte an dem Produkt. Der Einsatz von Fipronil ist EU-weit bei Nutztieren verboten - in Deutschland wurde es aber auch schon mit behördlichen Ausnahmegenehmigungen in der Landwirtschaft eingesetzt, obwohl es als bienenfeindlich gilt; zum Beispiel beim Beizen von Getreidesaatgut oder beim Kartoffelanbau. Auch bei Haustieren findet Fipronil Anwendung: Floh- und Läusebefall bei Hunden und Katzen wird damit behandelt. Fipronil ist ein sogenanntes Kontaktgift. Es dringt von außen ins zentrale Nervensystem von Insekten ein und tötet sie. Das funktioniert aber nur bei wirbellosen Tieren. Bei Säugetieren oder Vögeln hat das Gift keine vergleichbar starke Wirkung - kann aber bei hohen Dosierungen trotzdem gefährlich werden.

Wie gefährlich ist Fipronil für Menschen?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung stuft es als einen Stoff ein, der weder Augen noch Haut reizt, der nicht krebserregend ist und der auch keine allergischen Reaktionen hervorruft. Bei Tierversuchen sei aber durchaus festgestellt worden, dass Fipronil in hohen Mengen Schäden am Nervensystem und an der Leber verursachen kann. Beim Menschen müssen dafür aber wirklich hohe Mengen erreicht werden.

Ab wann wird es für den Menschen gefährlich?

Weitere Informationen

In Hessen lassen die Behörden gelegte Eier stichprobenartig auf das Insektengift Fipronil überprüfen. Bei den Tests handele es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, betonten sie. [hessenschau.de]

Ende der weiteren Informationen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt dafür ein einfaches Rechenbeispiel an. Als Grundlage dienen die bisher höchsten in Belgien gemessenen Belastungen mit Fipronil in Eiern; das waren 1,2 Milligramm Fipronil in einem Kilogramm Ei. Wird dieser Wert ins Verhältnis gesetzt zu der Menge, die ein Mensch ohne Gefährdung zu sich nehmen darf (die Grenze liegt bei 0,009 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht), dann darf ein Erwachsener mit 65 Kilogramm Körpergewicht immer noch sieben Eier innerhalb eines Tages essen, ohne Schäden befürchten zu müssen. Bei einem Kind mit einem Körpergewicht von zehn Kilogramm ist es immer noch ein Ei, das gegessen werden kann, ohne dass Schäden zu befürchten sind.

Was passiert mit den belasteten Eiern und den Legehennen-Ställen?

Die Eier werden vernichtet. Vor größere Schwierigkeiten aber stehen die betroffenen Landwirte bei der Frage, wie sie ihre Tiere und Ställe wieder frei von Fipronil bekommen. Anfang der Woche erklärte der Verband der niederländischen Landwirte, man hoffe, dass die Landwirte ihre Hennen wieder sauber bekommen. Eine Strategie gibt es dafür bislang offenbar noch nicht. Für Hessen stellt sich die Frage nach der Stallreinigung nicht, dennoch erklärt das Regierungspräsidium Darmstadt, dass es bislang keine Erfahrungswerte dafür gibt, wie Ställe mit unterschiedlichen Oberflächen und Bedingungen nach einer Verunreinigung mit Fipronil wieder sauber gemacht werden können. Außerdem können bei mit Fipronil belasteten Lebensmitteln auch geringste Mengen nachgewiesen werden. Damit der Stoff in Eiern und auf dem Federkleid von Hühnern nicht mehr nachweisbar ist, müsse überaus gründlich desinfiziert werden.

Sendung: hr-iNFO, Das Thema, 4.8.2017

Jetzt im Programm