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So geht es nicht weiter. An Hessens Grundschulen fällt immer mehr Arbeit an. Nun haben einige Lehrer einen Brandbrief ans Kultusministerium geschrieben. Einer der Unterzeichner ist Benedikt Gehrling aus Frankfurt.

Arm, vernachlässigt, schlechte bis keine Deutschkenntnisse, verhaltensauffällig: An zahlreichen hessischen Grundschulen finden sich wenige Kinder, auf die nicht mindestens eine dieser Charakterisierungen zutrifft. Dazu kommen Kinder mit geistiger oder körperlicher Behinderung. Und geflüchtete, teils traumatisierte Kinder. Beim besten Willen, so geht das nicht mehr, sagen viele Grundschul-Lehrer - auch in Frankfurt.

Zerfall von Familien und Gewalt nehmen zu

Die haben kürzlich einen Brandbrief an den hessischen Kultusminister Ralph Alexander Lorz (CDU) geschrieben. Mitunterzeichner ist Benedikt Gehrling. Er ist Sprecher der Frankfurter Grundschulen und Rektor an einer Grundschule in Frankfurt - manche würden es eine Brennpunkt-Schule nennen. Sein Alltag: "Die Kinder knallen einem die Tür vor der Nase zu, sie schubsen einen, sie schubsen die Mitschüler, sie schmeißen einen Ranzen aus dem ersten Stock ins Treppenhaus, sie schreien eine Lehrerin an: 'Was willst du eigentlich, du hast mir gar nichts zu sagen'".

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hr Benedikt Gehrling

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Viele Kinder hätten nicht gelernt, wie man sich in Gesellschaft verhält. Viele Flüchtlingskinder seien mit  neun oder zehn Jahren noch nie in einer Schule gewesen. Sie kämen oft aus sozial schwachen Familien, "auch der Zerfall von Familien und Gewalt, das beobachten wir in Großstadtschulen verstärkt." Wie man da noch unterrichten kann? "Es geht, es ist möglich", sagt Gehrling, "aber es ist ein Ringen um kleine Fortschritte mit sehr großem Aufwand."

50 bis 60 Stunden Arbeit

Im Brief an den Minister heißt es denn auch: "Für die Frankfurter Lehrerinnen und Lehrer bedeutet die Begleitung und Unterstützung von Kindern mit solchen Hintergründen eine kaum zu bewältigende Arbeitsbelastung sowohl in zeitlicher als auch psychischer Dimension." Gehrling meint, er arbeite nie unter 50, oft 60 Stunden in der Woche. So gehe es auch vielen der Lehrer an seiner Schule.

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Freitag, 17. März: 19.35 Uhr

Samstag, 18. März: 18.30 Uhr

Sonntag, 19. März: 14 Uhr

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Gehrling appelliert daher an das Ministerium: "Wir machen die Arbeit gerne, aber ihr müsst steuern und ihr müsst anders steuern als ihr das bisher getan habt." Resignieren und aufgeben, dass kommt für ihn aber auf keinen Fall in Frage. "Die Liebe zum Kind bestimmt unsere Arbeit." Daran habe sich für ihn auch nach vielen Jahren an einer Frankfurter Grundschule nichts geändert.

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