Mit siebzehn
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Wer erinnert sich noch an seine erste große Liebe? Darum geht es in dem Film "Mit Siebzehn" des französischen Regisseurs André Téchiné. Der Film wurde bereits im vergangen Jahr auf der Berlinale gefeiert, aber erst in dieser Woche kommt er bei uns in die Kinos.

Worum geht es?

Damien und Thomas sind ein ungleiches Paar. Der eine ist der selbstbewusste Sohn einer angesehenen Familie. Die Mutter ist Ärztin, der Vater Soldat. Der andere ist ein adoptierter Bauernsohn, Einzelgänger und verschlossen. Aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an und wenn sich Damien und Thomas in der Schule raufen und prügeln, dann merkt man sofort: Was sich liebt, das neckt sich. Mit siebzehn sind sie sich ihrer Gefühle aber noch nicht sicher und so brauchen Thomas und Damien sehr lange, bevor die beiden ihre Liebe entdecken. Vorher bekämpfen sie sich bis aufs Blut, sehr zur Verwunderung der Mutter Damiens, die Thomas vor ihrem Sohn sogar in Schutz nimmt.

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Die Schauspieler

Der Schweizer Schauspieler Kacey Mottet Klein wurde im vergangenen Jahr auf der Berlinale als Shooting Star ausgezeichnet. Zusammen mit dem französischen Model Corentin Fila, der Thomas spielt, verkörpern die beiden Männer als junge Streithähne sehr glaubhaft den Wechsel zwischen Ablehnung und Anziehung heranwachsender Jugendlicher. Thomas stellt Damien ein Bein und attackiert ihn auf dem Schulhof. Irgendwann treffen sie sich sogar zu einer ganz offiziellen Prügelei im Schnee. Aber selbst diese Prügelei ist kein üblicher Gewaltausbruch, sondern eine irgendwie liebevolle Rauferei. Beiden Schauspielern gelingt es hier, Nähe und Leichtigkeit reinzubringen, die den Film auszeichnet. Hinzu kommt die französische Schauspielerin Sandrine Kiberlain mit ihrem rauhen Charme, die als gutmütige Ärztin über alldem wacht. Leise Töne, aber große Gefühle.

Der Regisseur

André Téchiné wurde 1985 für seinen Film "Rendez Vous" als bester Regisseur auf dem Filmfest in Cannes geehrt. Zehn Jahre später bekam er für sein romantisches Drama "Wilde Herzen" den Cesar. Der Film erzählt vom Erwachsenwerden in Frankreich, zur Zeit des Algerienkrieges. Mit seinem Drama "Mit Siebzehn" will er nun inhaltlich an seinen großen Erfolg anknüpfen und das gelingt ihm. Téchiné zeigt die diffusen Gefühle der Verunsicherung, wenn man als Teenager noch nicht genau weiß, wie das Leben funktioniert, wenn sich unbekannte Emotionen entladen, mal in Aggressionen und mal in Wut und Sehnsucht. Téchiné bringt die mitunter schmerzhaften Entdeckungen der eigenen Identität unaufgeregt, aber effektvoll auf die Leinwand. Es entsteht ein Bild junger Menschen, das echt und überzeugend wirkt.

Sehenswert

In dem Film von André Téchiné geht es um die überwältigenden Gefühle der ersten großen Liebe. Der französische Altmeister beginnt viele überflüssige Handlungsstränge: Von Adoption, Geburt und Tod ist alles dabei und manchmal fragt man sich, was das alles soll. Erst zum Schluss wird klar, dass die vielen Nebenkriegsschauplätze den Film bereichern und die Gefühle verstärken. Sie dienen allein nur einer Sache: der Entdeckung der eigenen Sexualität. Und so ist "Mit Siebzehn" ein großartiger Coming of Age-Film, der zeigt, wie schwierig und bitter die Jugend sein kann. Sich aber auch gleichzeitig daran erinnert, wie überwältigend die großen Gefühle der ersten Liebe waren. Ein schöner, unterhaltsamer und sehenswerter Film.

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