Menschen auf der Buchmesse blättern in Büchern

Für die Herstellung eines Buches wird Holz oder Zellstoff benötigt. Aber genau an diesem Material mangelt es gegenwärtig. Grund dafür ist die hohe Nachfrage nach Holz weltweit und die Unterbrechung von Lieferketten. Dieser Mangel stellt viele Verlage vor erhebliche Herausforderungen.

Bücher werden in der Regel mindestens ein halbes Jahr vor ihrer Fertigstellung in den Handel „einverkauft“, so heißt es im Fachjargon. So stellen die Verlage fest, ob ein bestimmter Buchtitel oder ein Thema vom Handel angenommen wird. Diese Informationen nutzen sie dann, um die Höhe der Auflage für ein Buch zu bestimmen.

Doch eine solche Planung ist inzwischen nicht mehr möglich, weil die Papierfirmen nicht mit der Produktion von Papier nachkommen, erklärt Nadja Kneissler. Sie ist Vorsitzende des Verleger-Ausschusses beim Deutschen Börsenverein und Verlagsleiterin bei Delius Klasing. "Im Moment ist es so, dass wir von den Papierfirmen zunehmend `Force majeur`-Nachrichten bekommen. Also die sagen: Aufgrund höherer Gewalt können wir unsere vertraglichen Leistungen nicht erfüllen, müssen die Preise anpassen bei längst abgeschlossenen Verträgen und können Liefertermine nicht einhalten."

Schwierige Planung

Der Mangel betrifft auch andere Materialien. Maschinengraupappe zum Beispiel, die für die Hardcover von Büchern verwendet wird. Insgesamt ist wegen der Knappheit der Papierpreis um bis zu 20 Prozent gestiegen, was so in der Kalkulation der Verlage nicht vorgesehen war. Ein Anstieg, der auch nicht 1:1 an die Kunden weitergereicht werden kann. Planung ist also derzeit schwieriger geworden und Flexibilität gefragter denn je. 

Der Frankfurter S. Fischer Verlag gehört zur Holtzbrinck-Verlags-Gruppe und dort versuchen die zur Holding gehörenden Verlage sich untereinander zu helfen, sagt Stefanie Langner. Sie ist zuständig für die Herstellung der Bücher. Man versuche innerhalb der Verlagsgruppe, die Kräfte angesichts einer solchen Krise zu bündeln. Es helfe, wenn man gemeinsam auf eine Druckerei zugehe und sage: "'Wir haben ohnehin verabredete Lager Papiersorten, die vorrätig sein müssen, stockt das einfach noch einmal viel stärker auf.' Und wenn jetzt nicht der Fischer-Verlag das für den einen Titel aufbraucht, kann das Papier immer noch einer der Schwester-Verlage verwenden.“ 

Kürzungen beim Druck von bis zu 30 Prozent

Allerdings bringt auch vereintes Auftreten nichts, wenn die Druckerei über nicht genügend Papier verfügt. Und so geht manche dazu über, die Aufträge zu kürzen, erklärt Nadja Kneissler vom Deutschen Börsenverein: Bei einer Druckerei sei die Lage im August  "wirklich eskaliert. Sie haben uns selbst informiert, dass sie bei jedem Druckauftrag 30 Prozent einkürzen wollen über alle Kunden, weil sie einfach nicht genug Material haben." Das heißt: Wenn ein Verlag 10.000 Bücher drucken lassen wollte, habe die Druckerei mehr als 3000 Exemplare abgezogen und nur 6666 Bücher gedruckt.

Für die Verlage bedeutet das: Sie können den Markt nicht mehr bedienen und müssen sich vorher festlegen, welchen Buchtitel sie mit welcher Auflage drucken wollen. Ein Risiko für den Verlag, wenn der Buchtitel dann nicht so gut laufen sollte wie erhofft. 

Papierknappheit wird anhalten

Aber die Strategie, mit der die Verlage auf den Papiermangel reagieren, ist nicht einheitlich. Sie hängt von den Produktangeboten ab, vom Portfolio. Das heißt, ob eher Belletristik, Sachbücher oder Zeitschriftentitel im Angebot sind. 

Bei der Beltzverlags-Gruppe an der Bergstraße wird eine andere Strategie verfolgt, betont deren Herstellungsleiterin Myriam Frericks: Man reduziere nicht die Auflage, sondern plane noch langfristiger. In den letzten Jahren sei man mit den Auflagenhöhen kontinuierlich runtergegangen, weil der Absatz schlecht einzuschätzen sei und man nicht fürs Lager produzieren wollte. "Und das drehen wir zur Zeit wieder etwas um: Wir planen langfristiger, so dass wir nicht ganz so kurzfristig nachproduzieren müssen." 

Welche Verlagsstrategie sich letztlich als erfolgreich durchsetzt, wird die Zukunft zeigen. Denn die Papierknappheit wird sich bis wahrscheinlich bis weit in das Jahr 2022 ausdehnen, so die Einschätzungen der Fachleute.  

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