Fahrgäste mit einem Mund-Nasen-Schutz steigen an einem Bahnhof aus einer S-Bahn aus

Es gibt viel Kritik an den Corona-Maßnahmen für den November, vor allem in der Gastronomie, der Kultur, dem Sport. Alle sagen: Wir werden jetzt bestraft, dabei steckt sich bei uns niemand an. Aber was wissen wir eigentlich über Infektionsorte? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wo stecken wir uns am ehesten mit Corona an?

Das Ausbruchsgeschehen ist sehr diffus, sagen die Gesundheitsämter, bei denen wir nachgefragt haben. Es lässt sich in den allermeisten Fällen nicht mehr rekonstruieren, wo sich jemand angesteckt hat. Das Virus ist in der Breite angekommen.

Im Sommer, als die Zahlen noch niedrig waren, konnte man Neuinfektionen noch sehr gut zuordnen.

Woran liegt das? Sind die Ämter überfordert?

Nicht nur. Es gibt aktuell zwar eine Überlastung der Ämter. Aber je höher die Infektionszahlen steigen, umso schwieriger wird es, rückzuverfolgen, wo sich jemand infiziert hat, weil sich das Virus schon so ausgebreitet hat. Ein Beispiel: Ein Infizierter war in einer vollen U-Bahn, dann beim Sport, im Restaurant und am Tag darauf bei Freunden eingeladen. Da lässt sich nur sehr schwer sagen, wo er sich das Virus eingefangen hat. Hinzu kommt, dass sich die Leute oft gar nicht an alle ihre Kontakte erinnern können. Die Stadt Kassel hat deshalb die Bürger aufgefordert, ein Kontakt-Tagebuch zu führen.

Bundesweit kann man laut Robert-Koch-Institut aktuell bei zwei von drei aller Fällen nicht mehr sagen, wo sich ein Mensch angesteckt hat.

Heißt das, die Infektionsgefahr ist im Grunde überall gleich groß?

Nein. Es ist natürlich nach wie vor weniger wahrscheinlich, sich beim ruhigen Yoga oder Rückensport, wo die Matten weit genug auseinanderliegen, anzustecken als auf einer ausufernden Privatparty. Aber es ist eben auch da nicht ausgeschlossen. Und das ist der Punkt: Weil die Zahlen so rasant steigen, sind viel mehr Menschen mit dem Corona-Virus unterwegs. Es gibt zwar Tendenzen, aber infizieren kann man sich im Grunde überall.

Was kann man tun, wenn man sich nicht komplett einigeln, aber trotzdem nicht anstecken möchte? Was sollte man vermeiden und was geht noch?

Die Antwort ist ganz klar: Es kommt auf den gesunden Menschenverstand an. Man sollte sich fragen, ob es genug Abstand gibt, Maske tragen, nicht mit vielen Menschen auf engem Raum zusammenkommen. Das Zauberwort bei der Bekämpfung der Pandemie lautet: Eigenverantwortung.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 30.10.2020, 15 bis 18 Uhr

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