Verena Friederike Hasel, Autorin und Journalistin

Als Verena Friederike Hasel das erste Mal in Neuseeland war, verliebte sie sich in das Land. Als sie mit ihrer Familie zurückkehrte, entdeckte sie eine ganz andere Art, Schule zu gestalten. Auch während des Lockdowns funktionierte der Unterricht im "Bildungswunderland" weiter.

"Whanaungatanga" ist ein Wort aus der Sprache der Maori, der Ureinwohner Neuseelands. Es lässt sich kaum übersetzen, es gibt keine direkte Entsprechung in der deutschen Sprache.

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Verena Friederike Hasel
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In Neuseeland aber gehört es zu dem, was gute Schule ausmacht. Davon ist Verena Hasel überzeugt: "Das Wort bedeutet eigentlich ein Gemeinschaftsgefühl, das so stark ist, dass das eigene Wohlbefinden davon abhängt, ob es den anderen auch gut geht. Und das ist Dreh- und Angelpunkt von neuseeländischen Schulen: Whanaungatanga."

Es ist ein positives Gefühl, das viele Menschen prägt und das auch auf das Schul-Leben abfärbt. Als ihre Kinder in die Schule kamen, wunderte sich Verena Hasel zuerst noch darüber, dass der Direktor vor der Tür stand und alle Kinder persönlich begrüßte. Schnell lernte sie dann auch die etwas anderen Unterrichtsmethoden kennen.

Lernen mit Emotionen verknüpft

"Es herrscht ein bisschen der Grundsatz - ohne dass der ausformuliert ist - gebt den Kindern einen Grund zum Lernen und verknüpft das, was ihr beibringen wollt, mit Emotionen."

Wie das im Unterricht ganz alltäglich funktioniert, beobachtet sie bei ihrer siebenjährigen Tochter, die gerade in die dritte Klasse geht: "Sie sollte neulich lernen, wie man eine Gebrauchsanweisung schreibt. Das haben sie dann an einem Beispiel eingeübt, das ihnen sehr zugesagt hat: Wie macht man einen Schokoladen-Milchshake? Die nötigen Zutaten und das Gerät hat die Lehrerin von zu Hause mitgebracht. Und dementsprechend toll war das auch."

Angewandte Physik: Mountainbiking

Es ist eine sehr sinnliche Art des Lernens, gleichzeitig anwendungsorientiert und interdisziplinär: "Eine Klasse - die waren schon älter - die sind mit ihrem Lehrer Mountainbiken gegangen, sind völlig erschöpft und K.O. zurückgekommen und haben danach dann die Newtonschen Gesetze durchgenommen. Die erklären unter anderem, warum es schwieriger ist, auf seinem Fahrrad anzufahren, als bei gleicher Geschwindigkeit immer weiter zu fahren." So gehört zum Thema Antarktis dann eben auch eine Übernachtung bei den Pinguinen im Aquarium.

Die Autorin und Journalistin Hasel hat nicht nur ihre eigenen Kinder begleitet, sie hat recherchiert und ist durch das Land gereist. Sie hat eine Kultur entdeckt, die Fehler feiert. Sie hat beobachtet, dass Lehrer sehr viel Wertschätzung erfahren, dass ihre Fortbildung eine viel größere Rolle spielt als in Deutschland. Und während des sehr strikten Corona-Lockdowns hat sie gemerkt, dass Schule trotzdem funktionieren kann.

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Verena Friederike Hasel, "Der tanzende Direktor - Lernen in der besten Schule der Welt"
Kein & Aber, 20 Euro

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"Whanaungatanga" - mehr als ein Wort

Auch weil Neuseeland den Schritt hin zu einem neuen, digitalen Lernen schon gemacht hat: "Es hatte auch vorher schon Fortbildungen für digitalen Unterricht gegeben. Das hatte jetzt mit Covid-19 gar nichts zu tun, sondern einfach damit, dass es das 21. Jahrhundert ist und dass digitale Unterrichtsmethoden ganz wunderbar funktionieren."

Am Tag vor dem Lockdown brachte der Direktor ihrer Schule noch schnell zwei Laptops für Verena Hasels Kinder vorbei, es wurden sofort Video-Konferenzen organisiert - wichtig für die Interaktion zwischen Lehrern und Schülern, wenn sie nicht zusammen in der Klasse sein können. Es ist sehr schnell sehr viel passiert, auch weil die Grundlagen für digitales Lernen schon da waren.

Und weil "Whanaungatanga" weit mehr ist als nur ein Wort, gibt es auch eine App, mit der die Schülerinnen und Schüler meditieren können. Schließlich war klar, dass es in der Zeit des Lockdowns auch zu Spannungen in den Familien kommen konnte.

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 17.8.2020, 19 Uhr

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