Andy Holzer zu Gast in der WDT-Talkshow "Kölner Sommer Treff"
Andy Holzer lässt sich von seiner Blindheit nicht einschränken. Bild © Imago

Andy Holzer hat die "Seven Summits" bezwungen, die sieben höchsten Berge aller Kontinente. Dabei ist der Bergsteiger aus Ost-Tirol seit seiner Geburt blind. Sein Credo: Jeder hat seinen Everest, den es zu bezwingen gilt. Und das hat nichts mit Bergsteigen zu tun.

Andy Holzer und der Mount Everest, das ist eine lange Geschichte. Zweimal scheiterte er auf dem Weg zum mit 8.848 Metern höchsten Berg der Welt. Im März 2014 musste er abbrechen, nachdem eine Lawine 16 Sherpas unter sich begraben hatte, und im Frühjahr 2015 musste er wegen des Erdbebens in Nepal aufgeben. Doch der damals 50-Jährige versuchte es ein drittes Mal – und schaffte es am 21. Mai 2017 über die nördliche Route zum Gipfel des Mount Everest.

Aufgeben war für ihn keine Option. Eine Art Sehnsucht trieb ihn an. "Es ist ein Gefühl, das mitten in der Nacht auftaucht. Ich hab’s einfach gespürt: Ich möchte noch ein drittes Mal hingehen. Die Chance ist dort oben und kann sich nicht zu mir bewegen. Ich muss mich zur Chance bewegen", beschreibt Holzer.

Von den Eltern gelernt

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zum Artikel Das Interview: Andy Holzer - blinder Bergsteiger

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Schon im Alter von neun Jahren erklomm Andy Holzer zusammen mit seinen Eltern und seiner ebenfalls blinden Schwester seinen ersten Gipfel in den Dolomiten. Da spürte er diese Sehnsucht zum ersten Mal. Von seinen Eltern, die beide Kinder ganz normal aufwachsen ließen und ihnen nahezu alles zutrauten, lernte Holzer, sich immer wieder furchtlos auf Unbekanntes einzulassen.

"Sie haben einfach viel passieren lassen" sagt der Ost-Tiroler. Der Schlüssel zum Glück ist für ihn nicht im Licht zu finden, sondern in der Dunkelheit. Dort, wo man es nicht vermuten würde: "Die Schöpfung hat uns doch diesen Tellerrand mitgegeben, um uns immer wieder neu auszuloten und uns den Horizont zu erweitern." Viele Menschen würden darin aber nur die Gefahr sehen.

"Es geht um Lösungsorientierung"

Holzer schreibt Bücher über seine Bergabenteuer und ist ein gefragter Redner. Er möchte gerade auch den Sehenden Mut machen, Dinge anzupacken und innere Barrieren zu überwinden. Der blinde Bergsteiger spricht auch vor Managern und Firmen. "Sehenden die Augen öffnen" ist der Titel seines Vortrags, mit dem er als Redner tourt. Er ist sich bewusst, dass manche das auch als anmaßend empfinden können. Damit spiele er aber ganz bewusst und habe sein Publikum bisher immer überzeugen können. "Das sind Leute, die verstehen: Da geht es weder um Blindheit noch um Bergsteigen bei meiner Geschichte, sondern es geht um Lösungsorientierung", so Holzer.

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Buchtipp

"Mein Everest – Blind nach ganz oben"
Patmos Verlag
20 €

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Was genau er damit meint, wird klar, wenn er über seine Mount-Everest-Besteigung spricht. "Jeder hat seinen Everest, ein Problemchen, das er entweder bearbeitet oder nicht bearbeitet. Ich mag die Menschen nicht so gern, die um ihren Everest ein Leben lang herumfummeln, es nie angehen und dann die anderen bekritteln, die es wirklich versuchen und dabei vielleicht scheitern."

Sendung: hr-iNFO, 19.09.2018, 19.35 Uhr

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