Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz lehnt im Wald an einem großen Stein.

Eigentlich wollte sie ja die Welt retten, dann ist sie aber doch erst bei Vaude eingestiegen, in die Firme Ihres Vaters: Antje von Dewitz.

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Zum Artikel Antje von Dewitz – Unternehmerin und Pionierin in Sachen nachaltiges Wirtschaften

Antje von Dewitz steht in einem kleinen Fluß.
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Vaude steht für "von Dewitz", ihren Familiennamen - das hat sich noch der Papa ausgedacht. Seit elf Jahren leitet nun aber die Tochter, Antje von Dewitz, das Unternehmen mit Sitz in Obereisenbach in der Nähe vom Bodensee. Seitdem ist der Outdoor-Ausrüster grüner geworden. Von Dewitz legt viel Wert auf nachhaltige Produktion und will weg von ölbasierten Kunstfasern.

Gut eingeübtes Familienunternehmen

Und so rettet sie dann doch ein bisschen die Welt, auch wenn die gerade durch die Corona-Pandemie aus den Fugen geraten ist - auch für ihr Familienunternehmen. Immerhin profitiert Vaude jetzt von dem, was in den vergangenen Jahren verändert wurde. "Mir kommt es so vor, als ob wir die Jahre davor für Corona geübt haben", sagt von Dewitz. Das Unternehmen habe einen extrem hohen Fokus auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder Beruf und Privatleben gelegt. 50 Prozent der Mitarbeiter arbeiteten in Teilzeit, es gebe Vertrauens- und flexible Arbeitszeiten. "Wir legen ganz großen Wert auf Vertrauenskultur, auf ein gutes Miteinander, auf das Lösen von Konflikten schon im Anfangsstadium. Einfach weil wir uns gut kennen und einander vertrauen."

Der routinierte Umgang mit Homeoffice, flexiblen Arbeitszeiten, Elternzeit und Wiedereinstieg helfen dem Familienbetrieb mit seinen gut 500 Mitarbeitenden jetzt in Zeiten der Pandemie. Das bedeutet aber nicht, dass der Outdoor-Ausstatter nicht auch hart getroffen wird von Lockdown, geschlossenen Läden und verunsicherten Konsumenten.

Eigenkapital und Vertrauen als Pfund

"Wir gehen davon aus, dass wir etwa am Ende des Jahres mit einem Verlust von zehn Millionen Umsatz dastehen. Und es ist natürlich hart. Also, das ist die härteste Krise ever bei Vaude. Hatten wir noch nie. Aber wir werden das schaffen, ohne Entlassungen vornehmen zu müssen und ohne finanzielle Hilfen in Anspruch nehmen zu müssen."

Staatliche Unterstützung hat von Dewitz nur für den knappen Monat Kurzarbeit in Anspruch genommen, den es anfangs der Krise in Obereisenbach gab. Die vergangenen Jahre liefen gut für Vaude. Da ist Eigenkapital und da ist das Vertrauen der Banken. "Natürlich gibt es dieses Jahr keine Ausschüttung und keine Boni. Aber wir schaffen es trotzdem durchzugehen durch die Krise. Und ich glaube, dass wir da auch gestärkt daraus hervorgehen werden, dass es nächstes Jahr wieder besser geht." Von Dewitz sagt das mit einem Lächeln. Die positive Ausstrahlung der 47-Jährigen ist trotz allem spürbar.

Nur noch kurz die Welt retten...

Als Jugendliche wollte sie "die Welt retten", nach ihrem Studium hätte die Diplom-Kulturwirtin auch gut "bei Greenpeace landen können". Aber das letzte ihrer Praktika machte sie im Betrieb Ihres Vaters und dann wusste sie, wo sie hingehört. Sie lernte, dass sie auch hier viel gestalten konnte und begann damit, den Bergsport-Ausrüster Schritt für Schritt grüner zu machen. Eines Ihrer Ziele dabei ist, bei der Produktion von Rucksäcken oder Wanderklamotten wegzukommen von Fasern, die auf Rohöl basieren.

Also ein kuscheliges Fleece aus Holz-Fasern? "Genau. Da denkt man, kann doch gar nicht sein, das kratzt doch, ist doch ganz furchtbar. Aber das ist überhaupt nicht so. Eine Fleecejacke aus Holzfasern ist genauso kuschelig, wärmt genauso, aber basiert eben nicht auf Rohöl, sondern auf Holz." Innerhalb der nächsten vier Jahre sollen alle Produkte von Vaude aus biobasiertem oder recyceltem Material sein. Das ist bemerkenswert in der Outdoor-Branche, die in der Vergangenheit so sehr auf Kunstfasern gesetzt hat. Aber schließlich will Antje von Dewitz ja immer noch ein wenig die Welt retten.  

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Buchtipp

Antje von Dewitz: Mut steht uns gut, Benevento, 192 Seiten, 20 Euro.

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