Sven Plöger

Stürme, Starkregen oder Hitzewellen: Durch extreme Wetterereignisse ist der Klimawandel spürbar geworden, sagt Diplom-Meteorologe Sven Plöger. Der ARD-Wettermoderator sieht sich in der Rolle des "Übersetzers", der andere über den Klimawandel aufklärt und informiert.

Eigentlich hat er ein "Wetter-Gen", sagt Sven Plöger: "Ich gehe raus und vor die Tür und gucke als erstes nach oben." Er liebe seinen Beruf, aber "im Moment macht es in keinster Weise Freude, über Australien zu berichten." Die verheerenden Waldbrände in Australien seien zwar nichts Ungewöhnliches, aber "diese Heftigkeit ist außergewöhnlich", meint der Wetterexperte: "Das ist auch Klimawandel."

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Sven Plöger und Mariela Milkowa
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Die Temperaturen in Australien seien im Mittel dramatisch gestiegen und die Häufung dieser extremen Hitze führe dazu, "dass wir immer häufiger in diesen typischen australischen Trockenphasen durch die Hitze bedingt noch mehr Verdunstung haben. Das heißt, es wird alles trockener und dann brennen die Wälder wie Zunder." Und wenn man dann noch höre, dass zwischen 400 Millionen und 1,3 Milliarden Tiere diesen Bränden zum Opfer gefallen seien, "dann wird einem ganz schlecht", sagt Plöger.

Vorhersagen werden immer genauer

Das Thema Klimawandel werde in der Wetterberichterstattung immer wichtiger, erzählt der Meteorologe, als ich ihn an seinem neuen Arbeitsplatz im Wetterkompetenzzentrum im hr in Frankfurt besuche. Von dort aus wird seit Anfang des Jahres zentral die Wetterberichterstattung für die ARD gemacht. Neben der täglichen Wetterprognose im Ersten wolle man immer wieder den Blick auf das Thema Klimawandel richten und in aller Kürze informieren, so Plöger.

Im Wetterkompetenzzentrum werden unzählige Daten ausgewertet und für die Vorhersagen aufbereitet. Mithilfe modernster Technik sind die Wettervorhersagen heute viel exakter als früher. "Neun von zehn Vorhersagen für den Folgetag sind richtig", so Plöger, der das Wetter im Ersten seit inzwischen 20 Jahren präsentiert. In dieser Zeit habe sich sein Beruf ziemlich verändert.

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hs
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Datentransfers sind schädlicher als Fliegen

Früher sei das Wetter und das Klima eher ein Randthema gewesen und die Suche nach dem Sonnenschein das einzig Wichtige. "Sonniges Wetter war gutes Wetter, Regen war immer schlecht." Schon in den 80er Jahren habe man zwar vor einer möglichen Klimakatastrophe gewarnt, doch kaum einer habe sich dafür interessiert. Das sei heute ganz anders, denn "der Klimawandel wird haptisch, er wird fühlbar. Wir spüren plötzlich die Veränderungen durch diese extremen Wetterereignisse."

Plöger will vor allem informieren und aufklären. Er sieht sich in der Rolle des "Übersetzers", denn Klima- und Wetterprognosen beruhten auf komplexen physikalischen und mathematischen Berechnungen, sagt er. Es gebe viel Unwissen in der Bevölkerung und es werde viel Unsinn erzählt. Der weltweite Datentransfer ist etwa viel klimaschädlicher als Fliegen. "Wenn Menschen sich ganz viele Fotos zuschicken, die fliegen nicht durch die Luft. Sondern das geht über Server, die viel Strom brauchen, also viel Energie. Da haben wir jetzt schon, dass die ganzen Computer weltweit mehr an CO2 emittieren durch den Strom, den wir produzieren müssen, als die Fliegerei insgesamt."

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Sven Plögers neues Buch "Zieht euch warm an – es wird heiß!" erscheint am 19. Mai 2020 im Westend-Verlag

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Optimistisch in die Zukunft

Plöger fliegt sowieso lieber Gleitschirm und taucht. Gerade beim Tauchen bekomme er die Folgen der Klimaveränderungen aus eigener Anschauung mit, zum Beispiel den Temperaturanstieg des Ozeans: "93 Prozent der Energie, die wir zusätzlich freigesetzt haben, sind vom Ozean gepuffert worden, die stecken im Ozean" - und das wiederum führe zu einem Korallen- und Fischsterben. "Die Welt unter Wasser, die nicht jeder sieht, die hat sich massiv verändert." Er wolle den Menschen genau von diesen Erlebnissen erzählen, "um aufmerksam zu machen und ein Gefühl für Natur zu entwickeln, das finde ich wichtig."

Seine Arbeit betrachtet Sven Plöger als eine Chance, "Menschen in einer positiven Weise darüber aufzuklären, was passiert". Denn es liege auf der Hand: "Wir brauchen diesen Planeten, der Planet braucht uns nicht." Auch wenn er immer öfter über extremes Wetter berichten muss, "was ja auch Sachschäden und im extremen Fall Schaden an Leib und Leben zur Folge hat", blickt der Wetterexperte optimistisch nach vorn. Die Menschen müssten einfach bewusster Leben als heute.

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 22.01.2020, 19.35 Uhr

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