Lorenz Wagner

Die Jüngste ist vier, der Älteste 95: Lorenz Wagner lebt mit vier Generationen unter einem Dach. Das ist laut Forschern ein Modell der Zukunft, mit dem sich der Autor des SZ-Magazins intensiv beschäftigt hat. Wir haben mit ihm über Glücksmomente, Wundermoleküle und die Zauberformel für gesundes Altern gesprochen. 

Alt und Jung ziehen zusammen - die Idee hatten die Frauen in der Familie: Als die Tochter von Lorenz Wagner und seiner Frau Franziska geboren wurde, zogen die frischgebackenen Eltern samt Baby Sophia in das Haus der Urgroßeltern Helga und Willi ein. Auch die Oma der kleinen Sophia und Mutter von Franziska kehrte in ihr Elternhaus zurück. Vier Generationen unter einem Dach, in einem kleinen hundertjährigen Häuschen mit großem Garten in der Nähe von München. Vor vier Jahren begann das „Experiment“ - und was man dabei vor allem brauche, sei Humor, Gelassenheit, Empathie und Zupacken können, meint Lorenz Wagner.

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Jede Partei im Haus hat ihre eigene Küche, auch das trägt zum Frieden bei. Aber es gibt nur eine Waschmaschine für alle, und er bekommt manchmal einen Rüffel von den Frauen im Haus, wenn er die Trommel mal wieder zu voll gemacht habe, erzählt der Autor und Journalist. Natürlich wird auch mal gestritten und geschmollt, doch da hilft reden.

Die Schwächsten haben das Sagen

„Die schönsten Momente sind sehr kleine Momente“ im Zusammenleben, erzählt Lorenz Wagner, und sie hätten viel mit Uropa Willi und seiner Urenkelin Sophia zu tun. Ein Beispiel: Als neulich eine uralte, kranke Fichte im Garten gefällt werden musste, habe der Uropa Willi geweint und sei eine Woche im Bett liegen geblieben - und da war es Sophia, die ihn mit einem Kinderlied wieder zum Lachen gebracht habe. „Willi und Sophia, also die zwei Schwächsten eigentlich, haben das Sagen und bestimmen hier den Takt“, sagt Wagner, „und wir in der Mitte gucken halt, dass es uns trotzdem auch gut geht.“

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Lorenz Wagner: „Zusammen ist man weniger alt“
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Selbst die Pandemie brachte das Modell nicht zum Scheitern, da man sehr vorsichtig war und auf Hygiene und Abstand geachtet habe. „Die Alten bei uns im Haus waren nicht einsam und Sophia hatte viel Abwechslung“, berichtet der Journalist und fügt hinzu: „Wenn du dich an einige Regeln hältst und das vernünftig machst, dann ist es, finde ich, in der Pandemie ein Gewinn gewesen, zusammen zu sein, und es ist keine gute Idee, jung und alt zu trennen.“  

Lange leben ohne Altersleiden

Sein Leben im Mehrgenerationenhaus brachte Lorenz Wagner, der vor kurzem seinen 50. Geburtstag feierte, zum Nachdenken. In ihm wuchs der Wunsch, noch viele Jahre mit seinen Lieben zu teilen, aber ohne die Leiden, die das Alter mit sich bringt. Der vielfach ausgezeichnete Journalist begann zu recherchieren und sprach mit berühmten internationalen Altersforschern wie zum Beispiel Harvard-Professor David Sinclair, der ihm von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen erzählte: Erstmals seien wir in der Lage, das Altern zu bremsen, ja vielleicht sogar umzukehren.

Wagner wollte mehr wissen und ließ sich „geheimnisvolle Moleküle“ aus der Harvard-Forschung schicken, die ihm Professor Sinclair empfohlen hatte. Sie sollen dabei helfen, „Altersleiden zu mildern, dem Altern entgegenzuwirken und daraus Medikamente zu entwickeln,“ sagt Lorenz Wagner, „Ich wollte schon wissen, was das ist und auch selbst mal ausprobieren.“ Auch wenn er einen positiven Effekt bei sich gespürt habe, müsse man „diesen Nahrungsergänzungsmitteln und anderen Jung-Bleib-Versprechen sehr vorsichtig entgegentreten. Ich würde das niemals raten, man muss auch mit Ärzten drüber reden, aber grundsätzlich ist diese Forschung hochinteressant und die ersten Studienergebnisse mit diesen Mitteln sind vielversprechend.“

Modell der Zukunft

Was Lorenz Wagner bei seinen Recherchen überraschte: Die Altersforscher, mit denen er sprach, interessierten sich sehr für sein Mehrgenerationenhaus. Denn grade das ist für die Wissenschaft ein Modell der Zukunft, das auch ganz ohne Moleküle und Wundermittel funktioniert und von dem alte und junge Menschen gleichermaßen profitieren. Seine wichtigste Erkenntnis hat Lorenz Wagner also zu Hause gewonnen: „Wenn du das ein bisschen vernünftig organisierst, dass du aufeinander Rücksicht nimmst, dann lebst du glücklicher, gesünder und hast viel zu lachen.“

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