Christine Lambrecht

Christine Lambrecht war als Bundestagsabgeordnete des hessischen Wahlkreises Bergstraße schon 20 Jahre im politischen Berlin unterwegs, bevor im Frühsommer der Ruf ins Ministeramt kam. Obwohl sie kein unbeschriebenes Blatt war, hat ihr Arbeitseifer viele überrascht.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Christine Lambrecht – Justizministerin

Christine Lambrecht und Sabine Müller beim Interview
Ende des Audiobeitrags

Christine Lambrecht hat am Anfang viele kritische Kommentare einstecken müssen: Sie sei nur zweite Wahl gewesen, nachdem andere abgesagt haben. Doch Lambrecht schickt sich an, ihre Kritiker Lügen zu strafen. Sie zeigt sich bienenfleißig und hat gleich viele Themen angepackt. Eine Schonfrist hatte sie im neuen Job nicht, das sei aber auch in Ordnung, so die SPD-Frau. Wenn man mitten in der Legislaturperiode ins Amt komme, sei klar, "dass dann auch erwartet wird, dass relativ zügig vorgelegt wird. Es ist auch viel zu entscheiden gewesen."

Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung als Rechtspolitikerin sei sie in den meisten Themen ohnehin gut eingearbeitet. Die Kritik, sie sei nur zweite Wahl gewesen, lässt die 54-Jährige an sich abperlen. "Wenn man so lange dabei ist, gewöhnt man sich ab, auf jede kritische Stimme zu hören." Das heiße aber nicht, dass man Kritik nicht annehme. Aber wenn sie anonym und unsachlich sei, "dann muss ich sagen: 'So what?'"

Der Staat muss wehrhaft sein

Christine Lambrecht will mehr gegen den Hass und die Hetze im Netz tun, die auch zu Taten führen könnten wie dem Mord am Kommunalpolitiker Walter Lübcke – erschossen von einem mutmaßlichen Rechtsextremisten, vermutlich wegen seiner flüchtlingsfreundlichen Politik. Alle in der Politik seien hier in der Verantwortung dafür zu sorgen, dass damit Schluss ist. "Da dürfen wir nicht länger zuschauen und da ist der Staat gefordert, sich schützend vor all diejenigen zu stellen, die sich engagieren." Es könne nicht sein, "dass ein Mensch, der sich für diesen Staat, für eine menschliche Gesellschaft einsetzt, nicht nur mit dem Tod bedroht wird, sondern dass daraus auch eine Tat wird", so Lambrecht. Unter anderem will die SPD-Politikerin mit schärferen Waffengesetzen auf die zunehmende Bewaffnung rechter Gruppen reagieren.

Beim Koalitionspartner wird die neue Ministerin durchaus positiv gesehen. Diese SPD-Linke spreche sich sehr deutlich für einen starken Rechtsstaat aus, heißt es in der Union etwas überrascht. Für Lambrecht  ist das aber überhaupt kein Widerspruch. "Gerade für mich als Linke ist es wichtig, dass ein Rechtsstaat handlungsfähig ist, dass er wehrhaft ist, dass er sich gegen Angriffe verteidigt, denn das ist doch das Fundament des Zusammenlebens." Zum Sicherheitsbegriff gehört für die gebürtige Mannheimerin nicht nur die soziale Absicherung, sondern auch die Sicherheit, dass der Staat für Recht und Ordnung sorgt.

Die High Heels von Christine Lambrecht haben Absätze, die wie ein Zauberwürfel aussehen.

Viel Freizeit hat Christine Lambrecht nicht in ihrem neuen Job, deshalb kommen die Hobbys – Wandern, Krimis lesen und Kochen – etwas zu kurz. Eine Leidenschaft lebt sie aber weiter voll aus: ihre Liebe zu High Heels. Ihr auffälligstes Paar hat Absätze, die aussehen wie Zauberwürfel. Schon als 18-Jährige ging sie mit hohen Absätzen auf Anti-Atomkraftdemos. "Das war damals nicht üblich. Aber man muss sich nicht immer anpassen und man muss sich nicht immer verbiegen lassen", so die Justizministerin.

Der neue SPD-Vorsitz muss gestalten wollen

Natürlich äußerte sich Lambrecht auch zur Suche nach einem neuen SPD-Vorsitz. Sie will zwar nicht verraten, welches ihr Favoritenteam ist, hat aber klare Vorstellungen davon, was die Partei jetzt brauche: ein Team, das zusammenführen kann, das nicht die Ohren hängen lässt und zeigen könne, was man mit der SPD verbindet. "Danach richte ich meine Entscheidung."

Ist sie deshalb auch für ein Vorstands-Team, das in der GroKo bleiben will? Lambrecht differenziert: "Wichtig ist nicht, dass wir in der GroKo bleiben, wichtig ist mir, dass ich die Gelegenheit nutzen kann, eine Situation für Menschen zu verbessern." Die Koalition einfach nur aussitzen, sei kein Wert an sich. Lambrecht setzt auf kontinuierliches Arbeiten im Interesse der Bürger und vertraut fest darauf, auch in einem Jahr noch Justizministerin zu sein.

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 02.10.2019, 19.35 Uhr

Jetzt im Programm